Freitag, 23. Juni 2006

Fußball-Wahnsinn nach Ghanas Aufstieg
ins Achtelfinale: "Das ist für ganz Afrika"

  • Präsident spekuliert mit Sensation gegen Brasilien
  • Wermutstropfen: Essien fehlt wegen Gelb-Sperre

Ghana wandelt bei der Fußball-WM 2006 in Deutschland auf den Spuren von Senegal. Der Endrunden-Debütant schaffte am Donnerstag mit einem 2:1-Sieg über die USA als Zweiter hinter Gruppe-E-Sieger Italien den Aufstieg ins Achtelfinale. "Das ist nicht nur für Ghana, das ist für ganz Afrika", betonte Ghanas "überglücklicher" Teamkoordinator Anthony Baffoe nach dem Vordringen in die K.o.-Runde, in der es die "Black Stars" nun am Dienstag (17 Uhr) in Dortmund mit Titelverteidiger Brasilien zu tun bekommen.

Doch vorerst standen einmal Feiern und Regeneration für die Westafrikaner auf dem Programm, denn laut Baffoe muss die Mannschaft nach dem "großen Kampf" gegen die Amerikaner, vor vier Jahren immerhin WM-Viertelfinalist, "erstmal etwas zur Ruhe kommen". "Wir hatten ja großen Druck, denn ganz Afrika hat auf uns geschaut. Und wir haben bewiesen, dass wir diesem Druck standhalten können", lautete der stolze Kommentar von Baffoe, während Ghanas serbischer Trainer Ratomir Dujkovic von einem "historischen Moment für uns" sprach.

Fußball-Wahnsinn in Ghana
Ghana gehört zu den fußballverrücktesten Ländern Afrikas: Die Bewohner hatten extra einen halben Tag frei bekommen, damit sie das Spiel ihrer Mannschaft im fernen Deutschland verfolgen konnten, der Dienstag wird nun wohl zum ganztätigen Feiertag. Auch der ghanaische Präsident John Kufuor zählt zu den größten Fans des Nationalteams und traut diesem nun sogar die große Sensation gegen den fünffachen Weltmeister zu.

"Natürlich wissen wir alle, welchen Stellenwert Brasilien im Fußball hat. Doch nun, wo wir schon schon so weit gekommen sind, werden wir alles dafür tun, um den nächsten Schritt zu machen. Vielleicht überraschen wir die Weltöffentlichkeit jetzt noch mehr", meinte Kufuor zum bevorstehenden Duell mit den Ballkünstlern aus Südamerika.

Vorbild Senegal
Als Vorbild für Ghana fungieren die Kicker aus Senegal, die vor vier Jahren bei ihrer WM-Premiere im Eröffnungsspiel Titelverteidiger Frankreich 1:0 besiegten und dann bis ins Viertelfinale vordrangen. Allerdings muss das Dujkovic-Team im Achtelfinale ohne Superstar Michael Essien auskommen, der nach seiner zweiten Gelben Karte für ein Spiel gesperrt ist.

Essien verärgert
"Ich freue mich für mein Land, aber ich ärgere mich gleichzeitig über diese nicht gerechtfertigte Gelbe Karte", betonte Essien. Es war nicht die einzige umstrittene Entscheidung von Deutschlands WM-Schiedsrichter Markus Merk. Vor allem sein Elferpfiff, der zum 2:1 führte, wurde vom US-Team heftigst kritisiert. Doch auch bei einem Remis wären die Afrikaner ins Achtelfinale eingezogen und hätten die Amerikaner, bei denen Kapitän Claudio Reyna nach dem Match das Ende seiner Teamkarriere bekannt gab, Good bye sagen müssen.

Ghana knüpft an Kamerun & Co. an
Mit dem Aufstieg setzte Ghana die seit 1986 währende Serie afrikanischer WM-Teilnehmer fort. Vor 20 Jahren hatte Marokko als erstes Team vom Mutterkontinent die Endrunden-Gruppenphase überstanden. Es folgten Kamerun (1990 im Viertelfinale out), Nigeria (1994 und 1998 im Achtelfinale) und Senegal (im Viertelfinalist 2002 0:1 n.V. gegen die Türkei).

(apa/red)

23.6.2006 13:23