Donnerstag, 22. Juni 2006

Villeneuve sucht sportliche Zukunft: GP in Kanada könnte letzter in seiner Heimat sein

  • Ex-Weltmeister hat noch keinen Vertrag für 2007
  • Kaum Chanchen auf Vertragsverlämgerung bei BMW

Erstmals kommt der singende Rennfahrer Jacques Villeneuve mit Ehefrau Johanna in die Heimat, doch für den Ex-Weltmeister könnte es der letzte Formel-1-Auftritt im Grand Prix von Kanada werden. Deshalb will der 35-Jährige auf der Rennstrecke, die den Namen seines verstorbenen Vaters trägt, Werbung in eigener Sache machen und sich einmal mehr für eine Vertragsverlängerung bei BMW empfehlen.

"Ich würde gerne bleiben, denn ich liebe dieses Team. Es läuft gut, und wir arbeiten gut zusammen. Wir sind auf dem Weg nach oben", betonte Villeneuve und stellte fest: "Ich arbeite noch immer hart und fahre stark, aber bisher habe ich kein Angebot erhalten."

Momentan scheint Villeneuve tatsächlich auf der Überholspur. "Er übertrifft die Prognosen seiner Kritiker. Er ist hoch motiviert und wieder in Topform. Das freut mich sehr", sagte BMW-Motorsport-Direktor Mario Theissen über den Franko-Kanadier. Doch über seine weiteren Zukunftsplanungen verriet der Deutsche nichts: "Wir haben noch nicht einmal die Hälfte der Saison absolviert. Wir werden uns nicht vor dem Saisonende mit der Fahrerpaarung für 2007 beschäftigen."

Allerdings dürfte es eher unwahrscheinlich sein, dass BMW auch im nächsten Jahr auf die Dienste des Weltmeisters von 1997 setzen wird. Schon beim Kauf des Sauber-Teams im vergangenen Jahr wäre der Kanadier beinahe ausgemustert worden. "Es war keine einfache Entscheidung, an ihm festzuhalten", verriet Theissen. Zehn Jahre nach seinem ersten F1-Auftritt in Montreal gibt sich Villeneuve geläutert. "Ich bin jetzt verheiratet und wir erwarten ein Kind. Das macht einen großen Unterschied", erklärte der Rebell von einst.

In Montreal hat er während des Grand-Prix-Wochenendes alle Hände voll zu tun. Auch wenn er nicht oft in die Heimat reist, ist der Sohn des im Mai 1982 im Grand Prix von Belgien tödlich verunglückten Gilles Villeneuve sehr beliebt. "Hier sind meine Wurzeln." Im Radio wird seine erste CD-Single "Accepterais-tu?" oft gespielt. In seinem Restaurant "Newtown" in der Innenstadt stellte Villeneuve die Platte vor dem neunten Saison-Rennen am Sonntag vor und will 5.000 Exemplare an den Fan bringen. "Eine zweite Karriere will ich nicht anfangen. Solange ich Rennen fahre, konzentriere ich mich darauf. Musik ist mein Hobby", sagte er.

Auch wenn Villeneuve unlängst wegen Michael Schumachers Monaco-Affäre die Fahrergewerkschaft GPDA verlassen hat, sind die großen Sprüche nicht mehr seine Sache. Nüchtern und geschäftsmäßig wickelte er seinen Austritt ab. Am Ende war er der einzige Rennfahrer, der Konsequenzen wegen Schumachers umstrittenem Parkmanöver gezogen hatte. Das brachte ihm viel Respekt ein, denn fast alle anderen Piloten hatten den Rekordweltmeister öffentlich hart kritisiert, bei der Aussprache aber den Mund gehalten.

Räikkönen über Zukunft "noch nicht 100 Prozent sicher"
Vizeweltmeister Kimi Räikkönen hat noch immer keine Entscheidung getroffen, für welches Team er die kommende Formel-1-Saison bestreitet. "Ich bin mir noch nicht 100 Prozent sicher", erklärte der Finne am Donnerstag vor dem Grand Prix von Kanada in Montreal. Selbst eine Verlängerung seines mit Saisonende auslaufenden Vertrages bei McLaren-Mercedes wollte der 26-jährige Finne noch nicht gänzlich ausschließen. "Mal sehen, was in unserem Team passiert."

McLaren hat für die Saison 2007 bereits den spanischen Weltmeister und WM-Leader Fernando Alonso von Renault verpflichtet. Räikkönen wird immer wieder als Nachfolger oder Teamkollege von Michael Schumacher mit Ferrari in Verbindung gebracht. Schumacher selbst hat aber ebenfalls noch keine Entscheidung über seine Zukunft gefällt. "Ich treffe meine Entscheidungen ohnehin unabhängig von anderen Entscheidungen", sagte Räikkönen, der auch bei Renault im Gespräch ist.
(apa/red)

22.6.2006 19:00
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