Mittwoch, 21. Juni 2006

Verteidiger von Saddam Hussein ermordet: Attentäter verkleideten sich als Polizisten

  • Bereits dritter Anschlag auf das Verteidigerteam
  • Saddam-Prozess: Hussein droht Tod durch den Strick

Einer der Anwälte des irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein ist in Bagdad erschossen worden. Hauptverteidiger Khalil al-Dulaimi erklärte, sein Kollege Khamis al-Obeidi sei von Männern in Polizeiuniformen aus seinem Haus verschleppt und später ermordet worden. Dulaimi machte das Innenministerium verantwortlich. Obeidi vertrat im Prozess Saddam Hussein und dessen Halbbruder Barzan al-Tikriti. Chefankläger Jaafar al-Moussavi bestätigte den gewaltsamen Tod des Anwalts, nannte aber keine Einzelheiten.

Obeidi ist bereits der dritte Verteidiger, der seit Beginn des Prozesses gegen Saddam Hussein und andere Exponenten des früheren Baath-Regimes ermordet worden ist. Im Oktober und November vergangenen Jahres hatten Unbekannte einen Anwalt von Ex-Vizepräsident Taha Yassin Ramadan und einen Verteidiger des früheren Richters Awad al-Bandar getötet. Ein weiterer Anwalt wurde verletzt. Der Generalstaatsanwalt hatte für Saddam Hussein und zwei weitere Angeklagte die Todesstrafe gefordert. Die Schlussplädoyers der Verteidigung sind für den 10. Juli vorgesehen.

Obeidis Leiche sei mit Schusswunden auf einer Straße in der Nähe des schiitischen Stadtteils Sadr City gefunden worden, erklärte Polizeisprecher Thaer Mahmoud. Im Gegensatz zu Dulaimi, der in Jordanien lebt, wollte Obeidi trotz der angespannten Sicherheitslage in Bagdad bleiben.

Die Leichen der zwei im Irak verschleppten US-Soldaten sind so stark verstümmelt aufgefunden worden, dass eine Identifizierung durch einen DNA-Test notwendig ist. Ein Militärsprecher erklärte, die Bergung der Leichen habe mehrere Stunden gedauert, weil diese von Sprengfallen umgeben gewesen seien.

(apa/red)

21.6.2006 10:43