Dienstag, 20. Juni 2006

Dutzende Tote im Südirak: Selbstmord-attentäter sprengt sich in Altersheim selbst

  • Vier Tote bei einem weiteren Anschlag in Bagdad
  • Vermisste US-Soldaten gefunden: Zu Tode gefoltert

Im Irak sind am Dienstag die Leichen von zwei vermissten US-Soldaten gefunden worden. Die Soldaten seien nach einem Überfall im Süden Bagdads auf barbarische Weise gefoltert und getötet worden, sagte ein hochrangiger Vertreter des irakischen Verteidigungsministeriums Reuters am Dienstag. In einem im Internet veröffentlichten Bekennerschreiben hieß es, der neue Al-Kaida-Anführer im Irak habe den beiden US-Soldaten persönlich die Kehle durchgeschnitten.

Die Nachricht kam an einem erneut von schwerer Gewalt gezeichneten Tag. Aufständische verübten in Bagdad und der südirakischen Stadt Basra Anschläge, bei denen mindestens neun Menschen starben und mehr als 50 verletzt wurden. US-Militärs töteten nach eigenen Angaben bei mehreren Razzien nahe der Rebellen-Hochburg Bakuba 15 mutmaßliche Aufständische.

Der irakische Generalmajor Abdul Aziz Mohammed erklärte, die Leichen der beiden vermissten 23- und 25-jährigen US-Soldaten seien von einem irakisch-amerikanischen Kommando am Montag in der Nähe eines Elektrizitätswerkes im Süden der Hauptstadt gefunden worden. Dort waren sie am Freitag verschwunden. US-Generalmajor William Caldwell bestätigte in Bagdad den Fund. Die Leichen würden nun zur Identifizierung und weiteren Untersuchung in die USA geflogen, sagte Caldwell. Das US-Militär hatte zuvor intensiv im "Todesdreieck" südlich von Bagdad nach den beiden Soldaten gesucht.

In einem von Islamisten benutzten Internetforum meldete sich der Al-Kaida geführte Mujaheddin-Shura-Rat zu Wort. "Gott, der Allmächtige, hat den Anführer Abu Hamza Al-Muhadschir... mit der Erfüllung des Urteils beehrt", hieß es in einer Erklärung. Der Anführer habe den beiden Soldaten die Kehle durchgeschnitten. Die Authentizität der Erklärung konnte zunächst nicht bestätigt werden. Es wurde in einem Webforum veröffentlicht, das von Islamisten benutzt wird, nicht jedoch auf der Hauptseite der irakischen Rebellen.

Zwei Wochen nach dem Tod von Al-Kaida-Führer Abu Mussab al Zarqawi tötete die US-Armee nach eigenen Angaben ein weiteres Schlüsselmitglied der Terrorgruppe im Irak. Zarqawis enger Gefolgsmann Mansur Suleiman el Mashhadani sei am Freitag in Yusufiyah von US-Soldaten getötet worden, sagte US-Generalmajor William Caldwell am Dienstag in Bagdad. "Wir wissen, dass Scheich Mansur ein zentraler Führer in der irakischen El Kaida war". Sein Tod werde "bedeutsame Auswirkungen" auf die Fähigkeit der Al Kaida zur Neuaufstellung und Organisierung nach Zarqawis Tod haben, sagte der US-Militär.

Die US-Armee startete unterdessen eine Suchoperation nahe der Rebellen-Hochburg Bakuba, bei der sie nach eigenen Angaben unter Beschuss geriet und daraufhin das Feuer eröffnete. Es sei gezielt nach Personen gesucht worden, die mit Al-Kaida im Irak in Verbindung gebracht würden, teilte die Armee mit. Auf einem Lastwagen waren die zugedeckten Leichen von mehr als einem Dutzend Männern zu sehen. Aus Polizeikreisen hieß es, bei einem der Opfer handle es sich um einen zwölfjährigen Buben. Die US-Armee wies jedoch Vorwürfe aus der irakischen Bevölkerung zurück, wonach es sich bei den Toten um Zivilisten handelte. Nahe Bakuba - 60 Kilometer nördlich von Bagdad - war auch der Anführer der Al-Kaida im Irak, Abu Mussab al-Zarqawi, Anfang Juni gefasst und getötet worden.

In Bagdad und im südirakischen Basra wurden währenddessen erneut schwere Anschläge verübt. Eine Autobombe inmitten eines belebten Marktes in einem östlichen Viertel der Hauptstadt riss laut Polizei sieben Menschen in den Tod und fügte mindestens 18 Menschen Verletzungen zu. Bei der Explosion einer zweiten Autobombe wurden fünf Menschen verletzt. Bei einem dritten Anschlag kamen auf einem anderen Markt zwei Menschen ums Leben, 28 weitere wurden verletzt. Zudem fand die Polizei in verschiedenen Stadtteilen fünf gefesselte Leichen mit Kopfschusswunden. In Basra attackierte ein Selbstmordattentäter eine Gruppe älterer und behinderter Einwohner, die gerade ihre Rente abholen wollten. Fünf Menschen wurden verletzt. Der Anschlag auf die Senioren nährte die Furcht, dass die Gewalt im Irak eine neue Stufe der Brutalität erreicht haben könnte.

Japan kündigte unterdessen den Abzug seiner Truppen aus dem Irak an. Der japanische Ministerpräsident Junichiro Koizumi teilte mit, die 550 im Irak stationierten Soldaten würden abgezogen. Die irakische Regierung hatte zuvor erklärt, dass die betroffene Provinz Muthanna ab Juli von nationalen Kräften gesichert werde. Die Ende 2003 entsandten Soldaten leisten im Südirak unter britischer Führung vor allem Wiederaufbauhilfe.

(apa/red)

20.6.2006 19:22