"Nicht unbedingt geeignet": Haberzettl spricht sich gegen Präsident Hundstorfer aus
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BAWAG- und ÖGB-Krise schadet allen Parteien
Der Chef der Eisenbahner-Gewerkschaft, Wilhelm Haberzettl, übt massive Kritik an ÖGB-Präsident Rudolf Hundstorfer wegen dessen Rolle bei der Übernahme von BAWAG-Schulden und hält ihn als Dauerlösung an der Spitze des Gewerkschaftsbunds für "nicht unbedingt geeignet". Auch GPA-Bundesgeschäftsführerin Dwora Stein hält einen Verbleib Hundstorfers in seiner Rolle nicht für zwingend.
Haberzettl zweifelt im "Kurier" auch die Darstellung des ÖGB-Präsidiums an, wonach man von der Höhe der Verbindlichkeiten nichts gewusst habe. Der Eisenbahner-Chef bezieht sich in erster Linie auf die ursprüngliche, später zurückgenommene Aussage von ÖGB-Vize Karl Klein, wonach man im Präsidium die Übernahme von BAWAG-Schulden lange diskutiert und letztlich akzeptiert habe: "Eines sage ich Ihnen, dass Klein sich das alles aus den Finger gesogen hat, kann ich mir nicht vorstellen. Sonst wäre er nicht Vizepräsident, sondern Schriftsteller", so der Eisenbahner-Chef, der selbst nicht im Präsidium sitzt.
Kritik gibt es von Seiten Haberzettels auch daran, in welcher Form ÖGB-Präsident Hundstorfer 2005 in Vertretung seines Vorgängers Fritz Verzentisch an jener BAWAG-Hauptversammlung teilgenommen hatte, bei der die Schuldenübernahme abgesegnet wurde. Der ÖGB-Chef selbst sagt, nichts von den Verbindlichkeiten gewusst und auch nichts unterschrieben zu haben: "Ich kann das nicht nachvollziehen. Jeder Häuslbauer hat einen Vertrag, wenn er was unterschreibt. Überhaupt wird zu klären sein, ob nicht die Präsidiumsmitglieder haften müssen", orakelt Haberzettl.
Ablehnend steht der Eisenbahner-Chef dem Wunsch vom SPÖ-Vorsitzenden Alfred Gusenbauer gegenüber, Spitzengewerkschafter aus dem Nationalrat zu verbannen: "Ich trete grundsätzlich dafür ein, dass Gewerkschafter auch im Parlament sitzen. Wir müssen alle Möglichkeiten nützen, Politik zu machen."
Die beiden jetzt an die Öffentlichkeit tretenden Hundstorfer-Skeptiker gelten beide als ausnehmend ambitioniert. Haberzettl hatte sowohl als Kandidat für das Präsidentenamt als auch für den FSG-Vorsitz gegolten, war aber bei beiden Funktionen durchgefallen und hatte dabei an den meisten entscheidenden Sitzungen gleich gar nicht teilgenommen, dafür laufend Kritik an den Vorgängen über die Medien geäußert. Die Bestellung Hundstorfers zum geschäftsführenden Vorsitzenden hatte er freilich ausdrücklich begrüßt.
Stein: "Hundstorfer ist keine ausgemachte Sache"
Stein wiederum ließ schon vor einigen Wochen damit aufhorchen, eine Doppelspitze aus einer Frau und einem Mann beim ÖGB installieren zu wollen. Nun meint sie zu Hundstorfers möglicher Kandidatur beim Bundeskongress im Jänner 2007, seine Wahl sei keine ausgemachte Sache: "Ich bin dafür, dass er diesen Reformprozess jetzt auf Schienen stellt." Erst wenn die Antworten darauf klar seien, könne man die Frage stellen, wer die geeigneten Personen seien. Ob sie selbst für die ÖGB-Führung kandidieren will, beantwortete Stein nicht. Sie ist auch als Nachfolgerin von Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel im Gespräch, sollte dieser im Herbst abtreten, wie mancherorts vermutet wird. (apa/red)
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