Gusenbauers Umdenk-Prozess: Totale Kehrtwende zu Hundstorfer-Kandidatur
- Von "guter Tradition" bis zur Parlaments-Ablehnung
Mit seiner Absage an Spitzengewerkschafter im Nationalrat hat SP-Chef Alfred Gusenbauer angesichts sinkender Umfragewerte eine radikale Kehrtwende vollzogen. Noch vor zwei Monaten hatte der Partei- und Klubchef den Einzug des geschäftsführenden ÖGB-Präsidenten Rudolf Hundstorfer in den Nationalrat befürwortet und entsprechende Überlegungen wortreich verteidigt. Auch der geschäftsführende SP-Klubobmann Josef Cap stellte sich "zu 100 Prozent" hinter diese Auffassung.
"Wenn Rudi Hundstorfer der bestellte Präsident des österreichischen Gewerkschaftsbundes ist, glaube ich, ist es das beste, dass er in Zukunft dem österreichischen Nationalrat angehört und dort die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer so vertritt, wie das in der Vergangenheit Anton Benya, Rudolf Nürnberger und auch Fritz Verzetnitsch gemacht haben." Gusenbauer am 24. April
"Man kann Traditionen ändern, aber die guten sollte man lassen." Gusenbauer plädiert am 25. April neuerlich für den Einzug des ÖGB-Präsidenten in den Nationalrat
"Es geht darum, hier die Auffassung des Parteivorsitzenden zu unterstützen und das tun wir zu 100 Prozent, auch hier auf der Klubtagung, dass nämlich der ÖGB-Präsident Rudi Hundstorfer im Parlament sein soll, im Interesse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer." Und: "Das Modell, dass der ÖGB-Präsident im Parlament sitzt, hat sich bewährt." SP-Klubchef Josef Cap am 25. April
"Gusenbauer reicht's: Spitzen der Gewerkschaft aus dem Parlament!" "Kurier"-Schlagzeile nach Gespräch mit Gusenbauer am 22. Juni
"Die Spitzengewerkschafter werden in den nächsten Jahren genug damit zu tun haben, zu hundert Prozent das Vertrauen in den Gewerkschaftsbund wieder herzustellen." Und: "Entweder die Gewerkschaft akzeptiert meinen Plan, oder das SPÖ-Präsidium beschließt ihn am Freitag ohne Zustimmung der SP-Gewerkschafter." Gusenbauer am 22. Juni
"Ich kandidiere nicht für den Nationalrat. Diese Entscheidung habe ich schon vor längerer Zeit getroffen und hätte es begrüßt, dies gemeinsam zu vermitteln und nicht als Divergenz." Hundstorfer am 22. Juni.
(apa/red)
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