Montag, 19. Juni 2006

Neue Details über Elsners Luxus: BAWAG- Tochter zahlte Stromrechnung und Golfclub

  • Ex-Chef ließ sich Wasserbett in Urlaub nachliefern
  • Bayerische Landesbank überlegt rechtliche Schritte

Im Zuge der "Aufräumarbeiten" bei BAWAG und ÖGB kommen immer mehr Details zum Luxusleben von Ex-BAWAG-Generaldirektor Helmut Elsner ans Tageslicht. So soll die irische BAWAG-Tochter Elsners Golfclub-Mitgliedschaft sowie die Stromrechnung für dessen Penthouse-Wohnung plus Pool gezahlt haben. Unterdessen überlegt die Bayerische Landesbank rechtliche Schritte, weil sie über die Karibik-Verluste nie informiert wurde.

Das berichtet die Tageszeitung "Der Standard". Grund für die Verärgerung der Bayern: Laut einem Protokoll des Ex-BAWAG-Vorstands hatte Ex-Generaldirektor Helmut Elsner seinen Vorstandskollegen aufgetragen, die Bayerische Landesbank nicht über die Verluste zu informieren. Die Bayerische Landesbank war bis 2004 mit 46 Prozent an der BAWAG beteiligt.

Elsner hatte 1998 bei der Bekanntgabe der Verluste in der Höhe von 639 Mio. Dollar (508 Mio. Euro) dem Vorstand und Präsidenten die Weisung erteilt, die Bayern nicht zu informieren. "Kein Kommentar", heißt es laut "Standard" dazu in München offiziell, intern beteuerten die Banker, "nie von den Verlusten informiert" worden zu sein. Rechtliche Schritte werden überlegt, schreibt die Zeitung.

Neue Luxus-Details
Unterdessen kommen immer mehr Details zu Elsner zum Vorschein: So habe die irische BAWAG-Tochter die Golfclub-Mitgliedschaft Elsners bezahlt, die Bank sei für die Stromrechnung für Elsners Penthouse-Wohnung plus Pool (der als Löschteich gewidmet sei) aufgekommen. Dass der Banker sich bei einer, angeblich privaten, Reise ins ferne Klagenfurt sein Wasserbett nachliefern habe lassen, soll in der Bank auch für leises Kopfschütteln gesorgt haben.

Ex-Treasury Chef einvernommen
Der Ex-BAWAG-Treasury-Chef und Ex-Refco-Manager Thomas Hackl, der jede Verwicklung in die Causa BAWAG zurückweist, sei bereits einvernommen worden und werde demnächst nochmals vernommen. Nachdem die BAWAG-Manager am 9. Oktober 2005 den 425-Mio.-Euro-Kredit an Refco überwiesen hatten, wurde laut "Standard" tags darauf eine Gesellschaft namens Acies Panama aktiv. Diese werde Hackl zugerechnet. Diese Acies habe am 10. Oktober einen Teil der (wertlosen) "Uni-Bonds" (letzte Tranche der Karibik-Verluste im Jahr 2000) von den Anguilla-Gesellschaften der BAWAG gekauft. Danach seien die wertlosen Beteiligungen bei der BAWAG gelandet.

Karibik-Deals weiterhin rätselhaft
Bei den allerersten Karibik-Geschäften ab Anfang der Neunzigerjahre werde die Behauptung der Banker, man sei damals mit Gewinnen aus den Spekulationsgeschäften von Wolfgang Flöttl ausgestiegen, durch den Notenbankbericht von 1995 so nicht belegt. Festgestellt werde darin, dass der Höchststand der Beträge, die Flöttl jun. überlassen wurden, fast 33 Mrd. Schilling betragen hätten. Beim Abdrehen der Geschäfte habe das Obligo ungefähr 24 Mrd. Schilling betragen, die auch zurückgeflossen sind. Genaueres konnten die Prüfer nicht eruieren, sie erstellten nur eine "Plausibilitätsberechnung", wonach es zu "keinen Verlusten" gekommen sei, so die Zeitung.

Bei der Wiederaufnahme der Deals mit Flöttl Junior 1995 durch Elsner habe der Investmentbanker wieder keine Investitionsvorgaben bekommen, musste sich aber wieder verpflichten, als Sicherheit jeweils 120 Prozent des Werts der Kredite (die er veranlagte) mit Wertpapieren zu unterlegen. Die Überdeckung von 20 Prozent dürfte aber die BAWAG bezahlt haben. Zudem hatte der BAWAG-Aufsichtsrat ein Geschäftsvolumen von 400 Mio. Dollar beschlossen - diese Grenze sei aber in Summe um an die 240 Mio. Dollar überschritten worden.

(apa/red)

19.6.2006 18:46