BAWAG zum Verkauf: In Südamerika aktive große, spanische Banken sehr interessiert
- BSCH gilt als besonders heißer Kandidat für Kauf
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Im Spätherbst - die Rede ist von November - soll die Versteigerung der angeschlagenen Gewerkschaftsbank BAWAG unter den Interessenten über die Bühne gehen. Beinahe täglich werden Kandidaten - vor allem aus dem Ausland - genannt. Jetzt sind Spanier ins Gespräch gebracht worden.
Interessiert zeigen sich nach einem Bericht des "Standard" insbesondere spanische Banken, die bisher vor allem in Lateinamerika aktiv waren, auch wenn keine von ihnen offiziell Kaufabsichten in Österreich bestätigen möchte. Gleich mehrere Banken hätten prall gefüllte Kassen und auch konkrete Expansionsabsichten.
Ein heißer Kandidat für den Kauf der BAWAG P.S.K wäre zweifelsohne Banco Santander Central Hispano (BSCH), so die Zeitung. Wie Santander-Präsident Emilio Botin am Wochenende auf der Hauptversammlung mitteilte, wird heuer ein Gewinn von 7 Mrd. Euro angepeilt, 2005 waren es 6,2 Milliarden. Botin betonte, dass Santander neben dem natürlichen Wachstum seiner Kundenzahl und der Kredite auch durch Akquisitionen zulegen wolle. Er präzisierte, dass sich Santander bei Übernahmen auf das Privatkunden-Geschäft konzentrieren wolle - womit dem "Standard" zufolge die BAWAG P.S.K. mit ihrem dichten Filialnetz ein geeigneter Kandidat wäre. Aber auch die Banco Bilbao Vizcaya Agentaria (BBVA) hat in den vergangenen Jahren kräftig zukauft, bisher aber auch vor allem in Lateinamerika. Die BBVA hat auch die spanische Postbank geschluckt - wie die BAWAG die P.S.K. in Österreich.
Laut "Handelsblatt" st die größte spanische Bank, BSCH, auf dem Weg, eine der gewinnstärksten Banken Europas zu werden. Bisher macht die britische HSBC in Europa absolut gesehen am meisten Gewinn. Nach Börsenkapitalisierung liegt SCH bereits auf Platz eins der Eurozone.
Seit 1995 investierte Botin dem "Handelsblatt" zufolge rund 40 Mrd. Dollar (32 Mrd. Euro), um Santander zur viertgrößten europäischen Bank und zum zehntgrößten Institut weltweit mit einer Börsenkapitalisierung von 66 Mrd. Euro zu machen. Botin ist vor allem am Ausbau des Geschäfts mit Verbraucherkrediten oder des Retail-Banking interessiert.
Botin erklärte der Hauptversammlung den Plan, vor allem in den USA weiter zu wachsen: "Es gibt hier sehr viele interessante Geschäftsmöglichkeiten, vor allem bei der stark zunehmenden hispanischen Bevölkerung." In den USA hat die BSCH vor kurzem knapp 20 Prozent an der mittelgroßen Bank Sovereign erworben, mit der Option, diesen Anteil weiter aufzustocken. Bis zum Juli 2008 könnte die Bank damit komplett in spanischen Händen sein.
Der spanische Erzrivale, die zweitgrößte spanische Bank BBVA, hat in den USA bereits im vergangenen Jahr zwei kleinere Wettbewerber in Kalifornien und Texas komplett übernommen und vor wenigen Tagen den Kauf der Banken Texas Regional und der Texas State National angekündigt. BBVA-Präsident Francisco Gonzalez unterstreicht immer wieder, wie wichtig die Vereinigten Staaten für ihn geworden sind.
Damit sind die BBVA und die BSCH auch fern der Heimat im direkten Wettbewerb zueinander getreten. Gleichzeitig streben sie an die weltweite Spitze der Branche. "Wir wollen die Weltmeisterschaft gewinnen", feuerte Botin auf der Hauptversammlung die Aktionäre an. Er unterstrich jedoch, dass die BSCH nicht nur allein durch Zuwächse größer werden wolle, sondern auch organisch wachsen wolle.
Das Institut schaue sich jedoch überall nach geeigneten Möglichkeiten um. "Wir werden deswegen auch unser Portfolio genau analysieren und untersuchen, ob wir nicht noch mehr strategische Unternehmensbeteiligungen verkaufen können", kündigte Botin dem Handelsblatt zufolge an. Auch die BBVA verfolgt seit geraumer Zeit einen Verkauf ihrer Industrieaktiva, um liquider und flexibler für Zukäufe zu werden.
Größere Akquisitionen stünden derzeit nicht an, hieß es bei der HV zugleich. "Wir sehen derzeit keine Notwendigkeit, einkaufen zu gehen", sagte der Vorstandsvorsitzende Alfredo Saenz laut "Financial Times Deutschland" (FTD). Analysten zufolge fürchtet der Markt, dass Santander weitere Übernahmen mit Hilfe einer Kapitalerhöhung finanzieren könnte - wie 2004 beim Kauf der britischen Hypothekenbank Abbey National geschehen.
Vor wenigen Tagen gab Botin bekannt, dass die verschiedenen BSCH-Beteiligungen seiner Familie, die mehr als ein Prozent ausmachen, zusammengeführt werden, um so zu sichern, dass die "BSCH weiter wie ein Familienbetrieb geführt wird."
(apa/red)
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