Positive Sicherheitsbilanz zu Bush-Besuch: Für Prokop ist Konzept voll aufgegangen
- Nur zwei "sicherheitspolizeilich relevante Einsätze"
- 3.000 Polizisten waren zu Spitzenzeiten im Einsatz
·Präsidenten-Ehepaar braucht immer Schutz
Intercont als "Festung", Busse vor der Albertina
Eine positive Bilanz des Polizeieinsatzes zum Besuch von US-Präsident George W. Bush hat Innenministerin Liese Prokop am Mittwochabend gezogen. "Das Sicherheitskonzept hat voll funktioniert", sagte sie der APA. Wichtig sei vor allem das Informationsmanagement der Bevölkerung gewesen, das habe gegriffen. Die Ministerin bedankte sich "für das Verständnis der Wienerinnen und Wiener".
Brigadier Franz Semper, Leiter der uniformierten Einheiten des Einsatzes, zeigte sich im Gespräch mit der APA ebenfalls zufrieden. "Das Resümee ist positiv. Von Beginn an hat es hervorragende Absprachen mit den Amerikanern gegeben. Unsere Vorschläge sind fast alle akzeptiert worden." Ähnlich Oberst Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums, zur APA: "Die Zusammenarbeit mit dem Secret Service hat hervorragend funktioniert. Es war eine sehr professionelle Teamarbeit."
Am Mittwoch gab es laut Gollia noch zwei "sicherheitspolizeilich relevante Einsätze": Am frühen Nachmittag warf ein Passant am Ring im Bereich der Kärntner Straße eine leere Plastikflasche in Richtung des vorbei fahrenden Präsidentenkonvois. Der Mann wurde vorübergehend angehalten. Semper: "Es gab keinerlei Gefährdung des Konvois."
Der zweite Einsatz betraf einen Aktivisten der Gruppe "Resistance for Peace", der sich am Dienstagnachmittag vor Verhängung des Platzverbots rund um das Hotel Intercontinental auf dem Dachboden eines Hauses bei der irakischen Botschaft gegenüber des Hotels versteckt hatte. Als er am Mittwochvormittag ein Transparent hissen wollte, holten ihn Beamte der Anti-Terroreinheit "Cobra" von dem Gebäude. Eine andere Abordnung der Organisation erklommen ein Baugerüst im Bereich der Vorderen Zollamtsstraße und zogen ein mehr als 100 Quadratmeter großes Transparent auf: "US-President Bush is a danger to the planet. Stop the lying idiot!" war zu lesen, bevor die Wiener Einsatzgruppe Alarmabteilung (WEGA) der Aktion ein Ende setzte.
Semper berichtete zudem von zwei bis drei unbeaufsichtigt abgestellten Taschen bzw. Koffern, welche die Beamten entdeckten. Im Gegensatz zum Vortag handelte es sich dabei aber nicht um Bombenattrappen, sondern einfach um vergessene Gepäckstücke. Apropos Attrappen: Laut Gollia gab es bis Mittwochabend noch keine eindeutigen Hinweise, wer hinter der Aktion am Dienstag stecken könnte.
Der aus rund 50 Fahrzeugen bestehende Konvoi des Präsidenten ist laut Semper um 18.20 Uhr von der Hofburg zum Flughafen Wien abgefahren. Noch einmal hatte die Polizei die Strecke abgesperrt und die Wagenkolonne mit rund 15 Motorrädern begleitet. Zwischenfälle gab es entlang der Strecke nicht. In etwa 15 Minuten - Semper: "Unter Einhaltung der Limits, plus/minus zehn Prozent" - wurde der Airport erreicht. Gegen 18.30 Uhr wurden alle Platzverbote in der City wieder aufgehoben. Für die Demo gegen Bush bedeutete dies, dass die über den Heldenplatz und die Herrengasse zur Abschlusskundgebung im Votivpark wandern konnte.
Insgesamt 3.000 Polizisten waren zu Spitzenzeiten im Einsatz. Über die Zahl der Überstunden gab es am Abend noch keine Erkenntnisse, da die Demonstration noch unterwegs war. Für den Marsch waren rund 1.000 Polizisten abgestellt. Sieben Beamte - darunter Semper selbst - bekamen am Mittwoch stellvertretend für ihre Kollegen eine Audienz beim US-Präsidenten. "Es war sehr beeindruckend und menschlich sehr bewegend" sagte Semper. Dennoch: Der Brigadier zeigte sich "froh, dass es vorbei ist".
Gollia hob wie die Ministerin das Verständnis für die Absperrungsmaßnahmen hervor: "Der Kommunikationsplan hat funktioniert." Es habe im Zuge der Demo mehr Staus gegeben als durch die Fahrten des Konvois. Seit 12. Juni gab es Gollia zufolge 8.200 Anrufe bei der Hotline, am Montag waren es allein 2.800 Anfragen, am Dienstag 2.300. Die Exekutive verteilte zudem 50.000 bis 60.000 Informationsblätter an die Bevölkerung.
(apa/red)
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