Mittwoch, 21. Juni 2006

Ständiger Alarm: Höchste Sicherheitsstufe rund um das Präsidenten-Ehepaar Bush

  • Intercont als "Festung", Busse blockierten Albertina
  • "Sehr lockerer" US-Präsident beim Handshake

Wo auch immer das Ehepaar Bush in Wien unterwegs ist, verwandelt sich die nähere Umgebung in eine Hochsicherheitszone. Sichtbar wurde dies vor allem am Hotel Intercontinental, das zu einer regelrechten Festung ausgebaut wurde. Rundherum war eine Sperrzone eingerichtet, die mit Betonblöcken gegen durchpreschende Fahrzeuge abgesichert war. Davor patrouillierte die Polizei und drinnen waren die amerikanischen Sicherheitsleute am Werk.

Die Kofferträger in der Hotellobby hatten nicht viel zu tun: Wo sonst die Hotelgäste durch die Türen marschierten, standen Delegierte und ausgewählte Journalisten Schlange vor eigens aufgebauten Sicherheitsschleusen. Drinnen herrschte aufgeregtes Getümmel. Die obligaten Herren, deren Anzüge mit "S"-Ansteckern und Ohrstöpsel auf ihre Zugehörigkeit zum Secret Service schließen ließen, standen dezent verteilt im Raum und beobachteten die Szenerie. Dazwischen sah man schwer bewaffnete muskelbepackte amerikanische Spezialeinheiten durch die Lobby schlendern, die Gewehrtasche über die Schulter gehängt.

Je näher man den eigentlichen Akteuren, Laura und George W. Bush kam, desto strenger wurde die Vorgaben: Equipment musste vor Presseauftritten im Raum zurückgelassen werden, damit es auf mögliche Gefährdungen untersucht werden konnte, ein Verlassen der Mediengruppe war strengstens untersagt. Statt durch die Hotelhallen zu schlendern, hieß es für die meisten: "Bleiben Sie bitte hier stehen" oder im besten Fall: "Sie können hier noch einen Kaffee trinken, aber bitte bleiben sie zusammen."

Auch der erste offizielle Pressetermin der Präsidentengattin hatte ein äußerst strenges Reglement: Die kleine Gruppe akkreditierter Journalisten musste in einer Ecke des Raumes Platz hinter einer roten Kordel Platz nehmen. Mikros oder Aufnahmegeräte direkt am Tisch mussten hart erkämpft werden, der Vertreter des Secret Service betonte, man müsse mit dem Raumton sein Auslangen finden. Nach ein paar Bildern wurden die Fotografen aus dem Raum gelotst, rund 25 Minuten später war der Zauber vorbei: Fragen an die First Lady waren nicht erwünscht, die Berichterstatter durften dafür zusehen, wie sie interessiert Referaten der Nichtregierungsorganisation "Frauen ohne Grenzen" lauschte und angeregt nickte.

Als sowohl der US-Präsident als auch die First Lady das "Intercont" verlassen hatte, kehrte sichtlich Entspannung ein: Die Betonsperren in der Johannesgasse blieben offen, wenn auch weiterhin kein Zutritt ermöglicht wurde, und die Polizisten gönnten sich im Schatten der Stadtpark-Bäume einen ersten Snack.

Wenige hundert Meter weiter kreisten unterdessen Helikopter über dem nächsten Hot Spot: Präsident Bush saß beim EU-USA-Gipfel in der Hofburg, seine Gattin besuchte in der angrenzenden Albertina die Mozart-Ausstellung. Zur Zufahrt des Konvois hatten die Amerikaner ausnahmsweise zusätzliche Maßnahmen angefordert: Die Querstraßen rund um die Albertina wurden mit Bussen blockiert. Anschließend sollte dann der Tross wieder retour nach Schwechat fahren, wo die schwer bewachte Air Force One bereits für den Abflug des Präsidenten-Ehepaares und der Außenministerin Condoleezza Rice wartete.

Sehr lockerer" US-Präsident beim Handshake
Brigadier Franz Semper, Einsatzleiter der Wiener Polizei beim Besuch von George W. Bush, konnte es zunächst nicht recht glauben: "Gestern wurde ich von einem Mitarbeiter des Secret Service angerufen und zu einem Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten eingeladen." Am Mittwoch war es in einem Empfangsraum des Hotel Intercontinental aber wirklich so weit: Bush - laut Semper "sehr locker, freundlich, aufgeschlossen und kontaktfreudig" - bedankte sich bei Vertretern des Innenministeriums für ihre Arbeit.

Das Staatsoberhaupt kam in Begleitung seiner Frau Laura und Außenministerin Condoleezza Rice, um ein paar Worte mit ausgewählten Vertretern der Exekutive zu wechseln. "Er hat mit allen gesprochen, sich herzlich für die Zusammenarbeit und Unterstützung bedankt, sich erkundigt, wofür jeder von uns zuständig ist", schilderte Semper im Gespräch die "Audienz". Dann kam es zum Handshake und zum Foto mit jedem einzelnen der Geladenen

(apa/red)

21.6.2006 14:20