Mittwoch, 21. Juni 2006

Geschäftsleute verärgert: Entgelt-Entgang,
"nur weil ein Massenmörder her kommt"

  • Fiaker, Souvenier-Standler & Co. verständnislos
  • Beschwerde über fehlende Entschädigungen wird laut

Für negative Stimmung sorgt der Aufenthalt von US-Präsidenten George W. Bush bei einem Großteil der Geschäfts- und Lokalbesitzer in den Sicherheitszonen, die heute mit Geschäftseinbußen rechnen müssen.

Viele hätten schon am Dienstag gedacht, dass die U-Bahn-Station geschlossen sei und hätten daher andere Verkehrsmittel benützt, sagte der Trafikant in der Station "Stadtpark" in unmittelbarer Nähe des Hotels Intercontinental. Aus diesem Grund habe er jetzt schon weniger Umsatz. Er wird heute auf jeden Fall aufsperren und abwarten ob Leute kommen. "Nicht normal ist, dass man keine Entschädigung bekommt", meinte der Inhaber.

Geöffnet werden soll auch der zum Augustinerkeller gehörende Würstelstand vor der Albertina. Man werde versuchen, Essen und Getränke durch die Schleusen zu verkaufen und so die Polizisten und Schaulustigen zu versorgen, sagte Florian Janauschek, stellvertretender Geschäftsführer des Lokals.

Fiaker verärgert über Fahrverbot
"Wir haben absolutes Fahrverbot in der Innenstadt", so der Fiaker Peter Porotatich. "Was soll man den Touristen denn dann zeigen?", fragte er. "Ich seh' das eigentlich nicht ein, dass ich einen Entgelt-Entgang habe, nur weil ein 'Massenmörder' nach Wien kommt", meinte ein verärgerter Kutscher. Daher werde er auch auf die Demonstration zum Westbahnhof gehen.

Eine verbesserte Sicherheit gebe es durch den Besuch des Präsidenten schon - allerdings nur in der Innenstadt - im 17. und 19. Bezirk werde es aber sicher "lustig werden", so der Fiaker Gunter K.. Wichtig sei aber schon, dass dem Präsidenten in Österreich nichts passiere. Das würde dann nämlich ein schlechtes Bild auf das Land werfen, meinte er.

Information "ganz schwach"
"Ich finde das Ganze lächerlich", meinte Wolfgang Flicker, Inhaber eines Souvenirladens in der Augustinerstraße. "Bei mir würde der Präsident kein Visum bekommen. Ich hoffe nur, dass er so schnell wie möglich wieder weg ist." Die Polizei und auch alle andere Stellen agieren "total konfus", meinte hingegen Wolfgang Herrmann, Geschäftsführer des Kartenbüros ATT. Die Informationen für Bürger, Geschäftsleute und Touristen seien "ganz schwach".

"Ich versteh nicht ganz, warum so viele Leute wegen einer Person im Tagesablauf eingeschränkt werden", meinte Karl Hauser, Geschäftsführer eines Herrenausstatters am Michaelerplatz. Positiv hingegen sieht man die Schließung im "Cafe Hofburg". "Feste müssen gefeiert werden, wie sie fallen", stellte Mitarbeiter Robert Kollmann fest.

Touristen sehen City nicht
Es sei schade, dass man keinen Zugang zur Innenstadt habe, meinten zwei deutschen Touristen aus Hamburg. Sie hätten nichts von den Sperrzonen erfahren. Auf Grund der Einschränkungen habe man die Stadtrundfahrt aber einfach vorverlegt und werde morgen versuchen, einen Blick auf den Präsidenten zu erhaschen.

Am Stephansplatz wurde noch diskutiert, wann die Geschäfte und Lokale offen haben werden. Derzeit wisse man noch nicht, wie lange der Bereich gesperrt wird, sagte Verkäuferin Viktoria Wagenhofer. Der Platz und die nähere Umgebung sollen laut Verordnung um 9.00 Uhr für fünf Stunden gesperrt werden, da First Lady Laura Bush dort einen Teil ihres Damenprogramms absolviert.

Fahrradbote mit Anti-Bush-Transparent
Tumulte gab es am Dienstag auf dem Stephansplatz wegen eines Fahrradboten, der laut Augenzeugen mit einem Anti-Bush-Transparent unterwegs war. Er wurde laut ersten Angaben der Polizei schließlich wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt festgenommen. (apa/red)

21.6.2006 13:06