Dienstag, 20. Juni 2006

SPÖ will Klassenschülerzahlen senken: Klassen mit 35 oder 36 Kindern 'ungeeignet'

  • Niederwieser: Schülerzahl erhöht die Drop Out-Raten
  • Grünen-Kritik: SPÖ soll vor der eigenen Tür kehren

Die SPÖ hat erneut eine Senkung der Klassenschülerzahlen gefordert. Bei der Plenarsitzung im Parlament werde ein entsprechender Antrag seiner Fraktion eingebracht, kündigte SPÖ-Bildungssprecher Niederwieser an. Man werde auch eine namentliche Abstimmung verlangen: "Das ist der Lügendetektor für die ÖVP-Mandatare." Kritik an SPÖ und ÖVP kommt von den Grünen. Die SPÖ müsse vor der eigenen Tür kehren, nachdem sie dem Finanzausgleich zugestimmt habe.

ÖVP-Bildungssprecher Amon hatte in der vergangenen Woche ebenfalls eine Senkung gefordert und will auch einen Antrag einbringen. Die SPÖ wolle - nach Vorbild des finnisches Schulsystems - die "optimale Förderung jedes Kindes".

Niederwieser: "Schulklassen mit 35 oder 36 Schülern sind ungeeignet für individuelle Unterstützungen." Daher gebe es auch so hohe Drop-Out-Raten. Im Gegensatz zum Vorstoß Amons fordert die SPÖ die Senkung "nicht nur für den Pflichtschulbereich", sondern auch für die allgemein bildenden höheren Schulen. Der Vorschlag von Bildungsministerin Gehrer, wonach die Schulen selbst bestimmen können sollen, wie groß eine Klasse sein soll, scheitere an deren fehlender Autonomie.

Jobs für Junglehrer
Gleichzeitig kritisierte Niederwieser, dass die aktuellen Klassenschülerzahlen gar nicht zur Gänze verfügbar seien. Daher sei es auch schwer zu sagen, ob und wenn ja, wie groß der Bedarf an zusätzlichen Lehrern wäre. Die SPÖ geht davon aus, dass die rund 1.500 Lehrer in Österreich, deren Verträge nach diesem Schuljahr nicht verlängert werden, ausreichend wären.

Es würden also Jobs für Junglehrer geschaffen: "Das ist von der Finanzierung her nicht wirklich ein Problem", meint der Bildungssprecher der Sozialdemokraten.

Kritik von den Grünen
Kritik an den geplanten Anträgen von ÖVP und SPÖ zur Senkung der Klassenschülerhöchstzahl übten die Grünen. Die SPÖ müsste vor ihrer eigenen Tür kehren, weil sie dem Finanzausgleich zugestimmt habe, der eine starke Steigerung der Anzahl der Schüler pro Klasse zur Folge hatte. Und das plötzliche Versprechen von VP-Bildungssprecher Werner Amon, kleinere Klassen einführen zu wollen, sei nichts weiter als ein unglaubwürdiger Wahlkampfgag, die ÖVP habe Anträge auf Senkung der Höchstzahl immer abgelehnt, so der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz am Dienstag in einer Aussendung.

Weil kleinere Klassen wesentlich für eine bessere Unterrichtsqualität seien, fordern die Grünen, eine maximale Klassenschülerhöchstzahl von 25 in den Pflichtschulen im Schulunterrichtsgesetz festzulegen. Die sinkenden Schülerzahlen im Pflichtschulbereich würden genügend Raum für kleinere Klassen bieten, meinte Brosz.

Die Bildungssprecherin des Freiheitlichen Parlamentsklubs-BZÖ, Mares Rossmann, fordert von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) eine Gesetzesvorlage für eine Senkung der Klassenschülerhöchstzahl. Sie will eine bundesweit einheitliche Regelung für alle Schulen, egal ob Landes- oder Bundesschulen. Unterschiedliche Regelungen in einzelnen Bundesländern müssten jedenfalls verhindert werden.

(apa/red)

20.6.2006 14:29