Montag, 19. Juni 2006

Historischer Tiefstand erreicht: Immer weniger neue Priester in Österreich geweiht

  • Nach derzeitigem Stand heuer nur 25 Neupriester
  • Schüller fordert Priesterweihe für Verheiratete

Die Österreichische Bischofskonferenz ist am Montag in Mariazell zu ihrer Frühjahrsvollversammlung zusammengekommen. Eine für die Bischöfe unerfreuliche Nachricht: Der Zulauf zum Priesteramt wird heuer mit 25 Neupriestern ein Rekordtief erreichen.

Schon in den Vorjahren hat sich die Zahl der Priesterweihen in Österreich auf niedrigstem Niveau eingependelt. Während sich im Jahr 2005 aber immerhin noch 32 Männer zu diesem Schritt entschlossen, sind es heuer - laut vorläufigen Angaben der Diözesen - gerade noch 14 neue Diözesan- und elf neue Ordenspriester.

In den 70er-Jahren wurden im Durchschnitt jährlich noch 74 Neupriester registriert, in den 80er- und 90er-Jahren um die 50. Die Weihen finden in der katholischen Kirche traditionell Ende Juni - rund um das Fest der Heiligen Peter und Paul (am 29. Juni) - statt.

Den größten Zuwachs kann die Erzdiözese Wien mit fünf Diözesan- und drei Ordenspriestern verbuchen. An zweiter Stelle rangiert Graz- Seckau, wo der zuständige Bischof Egon Kapellari fünf Kandidaten die Hand auflegen wird. Zwei kommen aus dem diözesanen Priesterseminar, drei aus einem Orden. In Salzburg werden vier Anwärter geweiht, zwei von ihnen für die Erzdiözese Salzburg.

Sowohl Linz als auch Gurk-Klagenfurt können zwei Neuzugänge begrüßen, je einen Diözesan- und einen Ordenspriester. Jeweils einen Neupriester verzeichnen die Diözesen Eisenstadt, Linz und Innsbruck. In St. Pölten gibt es keinen Zuwachs im weltlichen Priesteramt, jedoch einen im Ordensbereich.

Mit diesen 25 Neuzugängen hat die Gesamtsumme der Priesterweihen einen historischen Tiefstand erreicht. Der Rückgang bei den Neupreistern spiegelt die Gesamtsituation bei den katholischen Geistlichen wider: Seit 1981 ist die Zahl der Priester von 5.415 auf 3.970 (Stand 2004) gesunken.

Dass diese Entwicklung auch innerhalb der Kirche auf Besorgnis stößt, hat die unlängst ins Leben gerufene Pfarrer-Initiative des ehemaligen Caritas-Direktor Helmut Schüller demonstriert. Sein umstrittenes Priesternetzwerk, das sich insbesondere gegen den Priesterrückgang und das dadurch bedingte "Zusperren von Pfarrgemeinden" richtet, wird nach eigenen Angaben von bereits rund 200 Pfarrern unterstützt. Die prominenten Befürworter, unter ihnen bekannte Kirchen-interne Kritiker wie der Ende der 90er Jahre von Bischof Kurt Krenn abgesetzte Paudorfer Pfarrer Udo Fischer, fordern unter anderem die Möglichkeit einer mittelfristigen Leitung der Gemeinden durch Laien sowie die Erweiterung des Zugangs zum Priesteramt, etwa durch das Viri-probati-Modell (Priesterweihe für verheiratete, im Glauben erfahrene Männer, Anm.). (apa/red)

19.6.2006 12:07