Mittwoch, 14. Juni 2006

5-Punkte-Programm für alternativen Sprit: Förderung für Erdgas- und Biogas-Autos

  • Zusammenarbeit von Umweltminister Pröll und OMV
  • Zahl der Gasfahrzeuge soll auf 50.000 anwachsen

Landwirtschafts- und Umweltminister Josef Pröll (V) will den Einsatz von Biogas und Erdgas als Autoantrieb durch steuerliche Anreize forcieren. Unterstützung bei Forschung und Infrastrukturausbau bekommt er dabei vom börsenotierten Mineralölkonzern OMV. So soll sich die Anzahl der Gastankstellen bis 2010 auf 200 versiebenfachen.

Dass es durch die Steuermaßnahmen zu einem rasanten Kostenanstieg wie beim Ökostrom kommen könnte, befürchtet der Minister nicht. Im Gegensatz zur Stromgewinnung aus Alternativenergien gehe es beim Biogas-Einsatz nur um geringe Mengen, so Pröll. Beim Ökostrom hatte die Kostenexplosion zu Widerstand in der Wirtschaft geführt, woraufhin das Ökostromgesetz gegen den Widerstand von Umweltschützern, den Grünen und der Landwirtschaft als größter Biomasse-Produzent im Mai novelliert wurde.

Reduktion von CO2
Der Verkehrssektor verbraucht rund 30 Prozent der gesamten Energie in der EU. Dadurch ist dieser Sektor auch für den Ausstoß von CO2 und Feinstaub verantwortlich. Mit einem 5-Punkte-Aktionsprogramm des Lebensministeriums gemeinsam mit der OMV sollen Erd- und Biogas als Kraftstoff weiter forciert werden. Dadurch könnten bis 2010 jährlich 200.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Bei der Verwendung von Erdgas als Treibstoff sei der CO2-Ausstoß um zehn Prozent geringer, Biogas sei sogar CO2-neutral. Erdgas kostet im Vergleich zu fossilen Brennstoffen um 40 Prozent weniger. "Ein Teil des 5-Punkte-Programms umfasst auch die Steigerung der gasbetriebenen Fahrzeuge", führte Pröll aus. Die Flotte der Biogas-Autos, die derzeit 650 Fahrzeuge umfasst, soll bis 2010 auf mindestens 50.000 ansteigen.

Mehr Biogas-Tankstellen
"Forciert werden muss auch der Ausbau der Tankstelleninfrastruktur", wie Ruttenstorfer betonte. "Waren es 2005 nur 32 Tankstellen, die Methangas anboten, soll die Zahl bis 2010 auf rund 200 ansteigen", so Pröll, der darauf hinwies, dass diese Initiative im Sinne der langfristig gesteckten Ziele der EU verstanden werde. Im Weißbuch zur europäischen Verkehrspolitik ist als Zielwert eine 20-prozentige Substitution der herkömmlichen Kraftstoffe im Straßenverkehrssektor vorgesehen. "Um Gas als Kraftstoff zu etablieren, wird auch eine Reihe von steuerlichen Rahmenbedingungen erforderlich sein", betonte der Minister. Dazu gehöre die Beibehaltung der Mineralölsteuerbefreiung für gasförmige Kraftstoffe sowie eine Beibehaltung der Erdgasabgabe auf gegenwärtigem Niveau. Die Beibehaltung der Befreiung von Biogas von der Erdgasabgabe solle ebenfalls bleiben.

Europäische Standards sind gefordert
Biogas zählt nach Ansicht Prölls zu den echten Alternativen bei den Treib- aber auch bei den Brennstoffen. In Zukunft soll Biogas auch in das öffentliche Erdgasnetz eingespeist werden. Dafür ist eine Verbesserung der technischen und rechtlichen Rahmenbedingungen wie etwa eine Qualitäts- und Prüfkriterien-Norm erforderlich. "Es sind klare Biogasparameter als Qualitätskriterien erforderlich. Zudem muss auch eine politische Initiative auf EU-Ebene zur Schaffung eines einheitlichen europäischen Standards für die Kraftstoffqualität geschaffen werden", erklärte der Minister. Das Aktionsprogramm werde auch die Wertschöpfung im ländlichen Raum stärken, meinte Pröll abschließend. (APA/red)

14.6.2006 15:40