Freitag, 16. Juni 2006

So sieht die Zukunft des Tourismus aus:
FORMAT: Der TUI-Chef Frenzl im Interview

  • Besuch aus Deutschland auf Stippvisite in Österreich
  • Frenzel: "Vier aktuelle Trends in Sachen Urlaub"

Hoher Besuch aus Deutschland auf Stippvisite in Österreich: Michael Frenzel, Chef des weltgrößten Touristikkonzerns TUI, folgte der Einladung von Altbundeskanzler Franz Vranitzky und referierte im Wappensaal des Wiener Rathauses über das Thema "Tourismus - eine Wachstumsindustrie mit Zukunft?" Danach sprach Frenzel mit FORMAT exklusiv über wichtige Trends der Tourismusbranche.

Der 59-jährige Deutsche hat den TUI-Konzern geprägt wie kein anderer. Noch 1996 hieß das Unternehmen Preussag und war ein Industriekonglomerat mit unscharfem Fokus. 1997 ging Frenzel daran, den Konzern komplett umzubauen. TUI ist jetzt ein "integrierter Touristikkonzern", veranstaltet Reisen und besitzt zudem auch Airlines (etwa Hapag-Lloyd Express), Hotels und Reisebüros. Nun will Frenzel das Geschäft mit Schifffahrt-Containertransporten als zweites Standbein forcieren.

Das Interview
Format: Was sind aktuell die größten Trends in der Tourismusbranche?

Frenzel: Es gibt vier große Trends. Erstens: Die Branche wächst, aber nicht mehr so stark wie Ende der 90er Jahre. Damals wuchs die europäische Tourismuswirtschaft im Durchschnitt elf Prozent pro Jahr. Für 2006 bis 2016 rechne ich mit fünf Prozent pro Jahr.

Format: Zwecks Buchung nutzen die Urlauber doch verstärkt das Internet.

Frenzel: Das ist der zweite große Trend: Die wachsende Bedeutung des Internets - und die damit verbundenen Herausforderungen. Es gibt jetzt auch neue Unternehmen am Markt.

Format: Wobei Sie ja selbst verstärkt über das Internet Reisen anbieten ...

Frenzel: Der Anteil der Online-Buchungen an unserem Touristik-umsatz beträgt bereits dreizehn Prozent. Und durch das Internet erschließen sich auch Zielgruppen, an die wir früher nicht herankamen. Ein Beispiel: Der Urlaub am Bauernhof war für uns wirtschaftlich im Katalog nicht darstellbar. Im Internet können wir das anbieten.

Format: Und der dritte Trend?

Frenzel: Dass die Märkte flexibler werden. Die große Aufgabe ist, mit den immer stärkeren Volatilitäten fertig zu werden.

Format: Das bedeutet?

Frenzel: Wir sehen jetzt gerade einen Boom bei Spanien. Aber das schwankt, und dann ist plötzlich wieder das östliche Mittelmeer stärker gefragt. Wir müssen daher den Grad an Flexibilität erhöhen. Früher lief das Geschäft so: Eine Standardreise wurde ein Jahr im voraus fabriziert. Das war wie ein Produkt im Hochregallager, das dann abverkauft wurde. Heute ist das Geschäft dynamisiert. Insofern ist das Internet nicht nur ein Thema der Vertriebskanäle, wir wollen auch on demand unsere Reisen produzieren.

Format: Da werden sich aber die Hotels nicht freuen. Früher wurden die Betten im Voraus gebucht, jetzt wissen sie nicht mehr, ob sie gebucht werden ...

Frenzel: Für die Hotellerie bietet die neue Situation Vor-und Nachteile. Zum Teil sind die Hotels jetzt selbst über das Internet im Markt, über Direktvertrieb.

Format: Und was ist der vierte große Trend?

Frenzel: Der Trend Nummer vier ist durch die demografische Entwicklung vorgegeben. Sprich: Die Generation 45plus wird immer wichtiger. Die Hälfte der TUI-Kunden ist über fünfzig.

Das komplette Interview von TUI-Chef Michael Frenzel finden Sie im aktuellen FORMAT

16.6.2006 12:42