Freitag, 16. Juni 2006

Allergologen-Kongress in Wien: Gräser-Tablette & prophylaktische Allergie-Impfung

  • Immunisierung soll Krankheitsausbruch verhindern
  • Behandlung von Fisch-Allergie soll bald möglich sein

Beim europäischen Allergologenkongress diskutierten mehr als 6.000 Spezialisten im Austria Center Vienna die neuesten Entwicklungen auf ihrem Fachgebiet. Mit an der Spitze sind hier Wiener Forscher. Die Bandbreite reicht von einer geplanten prophylaktischen Allergie-Impfung bis zu einem Therapeutikum gegen die Fisch-Allergie. Hier ein Überblick.

Das Wiener Biotechnologie-Unternehmen VBC-Genomics will die Diagnose von Allergien vereinfachen. Immerhin ist die Suche nach jenen Substanzen, auf die Patienten reagieren, wegen der vielen Möglichkeiten ausgesprochen kompliziert. Das Unternehmen entwickelt "Allergie-Chips", bei denen die Diagnostik auf der Basis der Gen-Chip-Technik abläuft. Bei dem Kongress stellt es Ergebnisse vor, die vor allem für Patienten mit allergischer Rhinitis interessant werden könnten: So gelingt es bereits, Allergien mit der Technik auf der Basis der Untersuchung von Nasensekreten zu identifizieren.

Allergie-Impfung
Revolutionär könnte auch eine prophylaktische Allergie-Impfung - entwickelt vom Zentrum für Pathophysiologie der Medizinischen Universität Wien - sein, welche solche Erkrankungen gar nicht erst aufkommen lässt. Bisher ist die Immuntherapie ja auf die Behandlung bereits bestehender Allergien beschränkt.

Fisch-Allergie bald behandelbar?
Bisher nicht per Hypo-Sensibilisierung ("Allergie-Impfung") behandelbar ist die Fisch-Allergie. Doch hier könnte ein neues Projekt der Wiener Experten in Zusammenarbeit mit Grazer Spezialisten einen Weg in die Zukunft weisen: Sie konstruierten Varianten eines Karpfenmuskel-Proteins (Parvalbumin), das bei Mäusen zu einem Schutz vor allergischen Reaktionen führte. Es könnte sich für eine solche Immuntherapie eignen.

Gräsertablette kommt
Die Gräsertablette ("Grazax"/Alk-Abello) ist bereits in Schweden zugelassen. Ende 2006 soll sie auch in Österreich registriert werden. Es handelt sich um eine Schmelztablette, welche bei täglicher Einnahme Gräserpollen-Allergien heilen soll. Unter der Zunge zergeht sie binnen Sekunden und bewirkt eine schnelle und langfristige Toleranz gegenüber den Gräser-Allergenen. Im Gegensatz zur herkömmlichen Immuntherapie mit regelmäßigen Injektionen der Allergene unter die Haut ist die Behandlung zu Hause durchführbar und bewirkt offenbar auch kein Risiko für stärkere Nebenwirkungen. (APA/red)

16.6.2006 09:10