Sonntag, 18. Juni 2006

Hypo Alpe Adria will Chef Kulterer retten: Umwandlung in Europa AG als letzter Ausweg

  • Keine Trennung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat
  • Bankchef könnte in eine "nicht-exekutive" Position

Eine Änderung der Rechtsform soll dem wegen Bilanzproblemen in Bedrängnis gekommenen Chef der Hypo Alpe Adria, Wolfgang Kulterer, einen Verbleib an der Spitze der Kärntner Bank ermöglichen. Dies berichtet der "Kurier" unter Berufung auf involvierte Kreise. Demnach soll die Bank in eine "Europa AG" (Societas Europaea/SE) umgewandelt werden. Diese an das US-Vorbild angelehnte Rechtsform kennt die bei österreichischen Aktiengesellschaften übliche Trennung von Vorstand und Aufsichtsrat nicht.

Kulturer könnte in einer Europa AG seinen Posten als Generaldirektor aufgeben, aber weiter in einer "nicht-exekutiven" Position im "Board" (Vorstand und Aufsichtsrat in einem) verbleiben, schreibt die Zeitung. Die Hypo Alpe Adria wolle nämlich ihren bisherigen Chef unbedingt halten - trotz der hohen Spekulationsverluste, deretwegen ihm ein Amtsenthebungsverfahren bei der Finanzmarktaufsicht droht. Mit einem Rückzug Kulterers aus dem operativen Bereich könnte den FMA-Bedenken Genüge getan werden. Zugleich könnte Kulterer weiter im Hintergrund die Strategie der Bank mitbestimmen, so die Überlegung.

Wirtschaftsprüfer bestätigen, dass die Umwandlung der Bank in eine Europa AG - eine solche Rechtsform hat in Österreich bereits der Baukonzern Strabag - innerhalb von wenigen Wochen über die Bühne gehen könnte. An der Bilanz der Bank würde sich nichts ändern. Neu geregelt werden müsste aber die gesetzliche Mitbestimmung der Arbeitnehmer.

Die Europa AG sieht nämlich ein eigenes Gremium für die Arbeitnehmervertreter vor, die in herkömmlichen Aktiengesellschaften ein Drittel des Aufsichtsrats besetzen. Die neue Rechtsform ist im Jahr 2004 durch eine EU-Verordnung geschaffen worden.

(apa/red)

18.6.2006 22:15