Vorhang auf für Zidanes Abschiedstournee:
"Zizou"betritt letztes Mal die große Bühne
- Frankreichs Ball-Genie geht nach WM in Pension
Ein Großer des Weltfußballs steht noch ein letztes Mal im Rampenlicht. Für Zinedine Zidane soll die WM in Deutschland ein krönender Abschluss seiner glanzvollen Karriere sein. Nach der Endrunde wird der Franzose seine Schuhe an den Nagel hängen.
Weltmeister, Europameister, Champions-League-Sieger, dreifacher Weltfußballer, dazu Meistertitel in Spanien und Italien - der 33-Jährige hat alles abgeräumt, was es als Kicker zu holen gibt. "Zizou", wie der Sohn algerischer Einwanderer gerufen wird, gilt auf Grund seiner Ballbehandlung und Übersicht als eines der größten Genies in der Fußball-Geschichte, allerdings auch als Angehöriger einer "aussterbenden Rasse": Immer weniger Mannschaften leisten sich den Luxus eines klassischen Spielmachers, der als Freigeist hinter zwei Spitzen von allen Defensiv-Aufgaben entbunden ist.
Für den Niedergang dieser Gattung ist Zidanes schwindende Effizienz auf dem Platz wohl symptomatisch. Während der vergangenen Saison konnte der zuletzt oft von Wehwechen geplagte Franzose bei Real Madrid nur noch selten seine Klasse aufblitzen lassen, zudem wirkte er in den jüngsten Testspielen ausgebrannt und nur noch als ein Schatten seiner selbst.
Mit Zidane, der nach seinem Team-Rücktritt 2004 erst im Laufe der WM-Qualifikation zu einem Comeback überredet wurde, steht und fällt allerdings das Spiel der Franzosen. Der zweite Titelgewinn nach 1998, den Zidane mit zwei Kopftoren praktisch im Alleingang sicherte, ist wohl nur bei starken Darbietungen des Feinmechanikers möglich.
Dieser Verantwortung ist sich Zidane bewusst. "Wir können Weltmeister werden, und ich kann meinen Beitrag dazu leisten", erklärte der Star-Kicker, der ansonsten mit großen Ankündigungen sparsam umgeht. Der in den ärmlichen Randbezirken von Marseille aufgewachsene "Zizou" gilt als äußerst bescheiden. So zog er das Trainingslager in der Höhenluft des französischen Ski-Ortes Tignes einem Kurztrip zur Präsentation eines Dokumentarfilms mit ihm selbst in der Hauptrolle im noblen Cannes vor. Per Video-Einspielung vor dem Film mit dem Titel "Zidane, ein Porträt des 21. Jahrhunderts" entschuldigte er sich. "Sie wissen, dass ich in diesem Moment zu anderen Dingen in meinem Metier berufen bin."
Seine Mission will er am 9. Juli im WM-Finale in Berlin beenden. Skeptiker spekulieren allerdings damit, dass der Abschied schon früher, nämlich genau an seinem 34. Geburtstag, über die Bühne geht: Am 23. Juni treffen die Franzosen in ihrem letzten Gruppenspiel auf Togo.
(apa)
