Montag, 12. Juni 2006

Die schwere Last des "Selecao"-Tormanns: Moacir Barbosa ein Leben lang Buhmann

  • Patzte im WM-Finale von 1950 gegen Uruguay
  • Dida bricht Lanze für gescholtenen Ex-Keeper

Was es heißen kann, Tormann der brasilianischen Nationalmannschaft und somit entscheidend mitverantwortlich für das "Wohl" des 185-Millionen-Landes zu sein, hat Moacir Barbosa am eigenen Leib erleben müssen. Barbosa war im verlorenen "Finale" der Heim-WM 1950 (1:2 gegen Uruguay) Schlussmann der Selecao, nach der nationalen Schande vor rund 200.000 Zuschauern im Maracana-Stadion musste er bis zu seinem Tod im Jahr 2000 als nationaler Sündenbock leben.

56 Jahre später hütet bei der WM 2006 in Deutschland Dida das Gehäuse der Brasilianer, nun brach der AC-Milan-Goalie eine Lanze für seinen Vorgänger: "Barbosa wurde nach diesem Finale 'gekreuzigt'. Es ist traurig, dass sich alle Menschen nur auf Grund dieser Momente an ihn erinnern. Denn er war ein toller Tormann, der der Nationalmannschaft oft entscheidend geholfen hat. Aber dieses Spiel hat sein Leben verändert."

Vor seinem Ableben im Alter von 79 Jahren in Folge eines Gehirnschlags hatte Barbosa gemeint: "Laut brasilianischem Gesetz darf man nur maximal 30 Jahre ins Gefängnis. Aber ich sitze nun schon seit 50 Jahren im Gefängnis." Im Juli 1950 hätte den Brasilianern im abschließenden WM-Match ein Remis gegen Uruguay zum Titel gereicht. Rund zehn Minuten vor dem Ende fixierte jedoch Chico Chiggia aus spitzem Winkel das 2:1 für die Gäste.

Chiggia hatte Jahre später einmal gemeint: "Nur drei Menschen haben mit einer einzigen Aktion das Maracana zum Schweigen gebracht: Frank Sinatra, Papst Johannes Paul II. und ich."

Trotz allen Drucks freut sich Dida auf seine erste WM als Einser-Goalie, denn 2002 in Asien war er Ersatz gewesen. "Eine WM zu spielen, war immer mein großer Traum. Aber ich will nicht nur spielen, sondern die WM auch gewinnen."

(apa/red)

12.6.2006 10:36