Samstag, 17. Juni 2006

"Ein rauschendes Fest modernen Fußballs":
Argentinien machte sich zu WM-Topfavoriten

  • Gelsenkirchen: Riquelme & Co. mit Zauber-Unterricht
  • Sogar FIFA-Beobachter nach Gala-Show euphorisch

Was die argentinische Fußball-Nationalmannschaft am Freitag auf den Rasen des WM-Stadions Gelsenkirchen gezaubert hat, wird bei der Endrunde in Deutschland schwer zu toppen sein. Juan Riquelme, Javier Saviola, Maxi Rodriguez, Lionel Messi, Carlos Tevez und Co. schossen die angesichts der Klasse des Gegners wie biedere Handwerker wirkenden Kicker von Serbien-Montenegro mit 6:0 aus der Arena und sich selbst in die Rolle des derzeitigen WM-Topfavoriten.

"Was wir hier gesehen haben, war eine herausragende Leistung eines herausragenden Teams voller herausragender Einzelspieler. Das war ein rauschendes Fest des modernen Fußballs. Die Argentinier zeigten Teamwork gepaart mit brillanten Einzelleistungen", analysierte auch György Mezey, Mitglied einer 14-köpfigen Technischen Studien-Gruppe (TSG), die für den Weltverband FIFA bei der WM sämtliche Spiele beobachtet und neue Trends aufzeigt, euphorisch.

Die Wahl zum "Man of the Match", die ebenfalls bei jedem Spiel im Aufgabenkatalog der TSG steht, fiel den FIFA-Beobachtern nicht schwer. Mezey: "Juan Roman Riquelme hat eine gigantische Leistung abgeliefert. Wenn es darum geht, den Ball zu erobern und mit exzellenten Pässen zu verteilen, war er unerreicht." Die Gesamtdarbietung der Südamerikaner sei "beängstigend gut" gewesen.

Riquelme: "Ziel ist, noch stärker zu spielen"
"Ich hoffe, dass das noch nicht unsere beste Leistung war. Unser Ziel ist es, noch stärker zu spielen", ließ Spielmacher Riquelme nach Schlusspfiff selbst aufhorchen. Teamchef Jose Pekerman, der vor der WM noch gescholten worden war und mittlerweile wieder ein Volksheld ist, meinte nach der weltmeisterlichen Leistung: "Wir haben ein großartiges Team und wir haben großartige Einzelspieler. Wir fühlen, dass wir die WM gewinnen können."

Vor den Augen von Diego Maradona, der völlig aus dem Häuschen war und die letzten zehn Minuten der Partie auf seinem Sitz stehend verbrachte, präsentierten sich die "Gauchos" als mögliche und würdige Nachfolger des argentinischen Weltmeister-Teams von 1986. Für den beim 1:0 gegen Kroatien eher enttäuschenden Titelverteidiger Brasilien war die Partie so etwas wie Zauber-Unterricht vom Erzrivalen.

Traum-Tor der "Gauchos" zum 2:0
Beim munteren Einmal-Berühren-Spiel gespickt mit etlichen "Ferslern" und Traumkombinationen war das 2:0 das absolute Sahnehäubchen des bisherigen Turniers. Nach 25 argentinischen Ballberührungen am Stück vollendete Esteban Cambiasso. "Für die Schönheit des 2:0 gibt es keine Worte", schwärmte Stürmerstar Hernan Crespo, der das 4:0 beisteuerte und hinzufügte: "Bei einer WM auf so einem Level zu spielen und so hoch zu gewinnen, ist nicht einfach." Crespo ist einer von nur vier Spielern, die auch bei der völlig missratenen WM 2002 (Out in der Vorrunde) im Kader gestanden waren.

Beängstigend für die Konkurrenz ist auch die Tatsache, dass Pekerman über eine Ersatzbank der Superlative verfügt. Cambiasso kam nach 17 Minuten für den verletzten Luis Gonzalez - er soll laut Pekerman bis zum Niederlande-Match wieder fit sein - ins Spiel und traf in der 31. Minute. Und auch die zwei weiteren Joker Carlos Tevez (ab der 59. Minute) und Lionel Messi (75.) beeindruckten nicht nur durch ihre Tore zum 5:0 und 6:0. "Ich kann Argentinien nur gratulieren", stellte sich der gegnerische Teamchef Ilija Petkovic in die Reihe der Gratulanten. (apa/red)

17.6.2006 12:30