Montag, 12. Juni 2006

Kritik an Arien Robben: Mitspieler mit
Vorwürfen gegen Oranjes "Goldschützen"

  • Kein Frieden bei Holländern nach 1:0 über Serbien
  • Serben prangern Defensiv-Taktik ihres Teamchefs an

In der überaus schwierigen Gruppe C haben sich die zwei Großen am Wochenende durchgesetzt. Nach dem 2:1 Argentiniens am Samstag in Hamburg gegen die Elfenbeinküste rangen die Niederlande nach achtjähriger WM-Absenz am Sonntag Serbien-Montenegro ebenso knapp 1:0 (0:0) nieder. Ungewöhnlich war in Leipzig freilich, dass Kritik sowohl aus dem Lager der Sieger als auch der Verlierer kam. Zielscheibe waren Goldschütze Arjen Robben bzw. Teamchef Ilija Petkovic.

Robben tat sich auch als Dreh- und Angelpunkt der Oranjes, die 1998 im WM-Halbfinale ausgeschieden waren und vor vier Jahren die WM-Qualifikation verpasst hatten, hervor. Er schloss einen Bilderbuch-Konter in der 18. Minute mit einem Flachschuss zum 1:0 ab. Doch trotz seiner Gala musste sich der 22-jähriger Stürmer von Chelsea Vorwürfe von Robin van Persie gefallen lassen, der ihm Egoismus vorwarf. "Manchmal trifft er Entscheidungen, die gut für ihn sind, aber nicht für das Team", schimpfte der Arsenal-Angreifer.

"Er muss aber auch seine Mitspieler beachten. Wir müssen begreifen, dass wir zusammenspielen. Denn wir wollen im Turnier noch sechs Spiele gewinnen. Das kann er nicht allein", betonte van Persie, der die Vorarbeit zum 1:0 geleistet hatte. Bondscoach Marco van Basten nahm Robben in Schutz, lobte ihn. "Ich bin froh, dass wir ihn hatten", sagte der 41-Jährige nach seinem erfolgreichen WM-Debüt als Teamchef. Der Torschütze wollte seine Leistung nicht in den Vordergrund stellen. "Das Wichtigste ist, dass wir uns als Team gezeigt und gekämpft haben."

Van Basten hat zwar Goldtorschütze Arjen Robben ("Er ist einer unserer Besten") gelobt, aber der Bondscoach erkannte auch, dass das Spiel seiner Truppe gegen Serbien-Montenegro zu linkslastig war. Damit zeigte der 41-Jährige ein wenig Verständnis für die Kritik von Robin van Persie an Robben. "Es lief viel über Robben, weil er gut in Form war, aber das ging zu Lasten von van Persie. Er bekam zu wenig Bälle."

Der Matchwinner freute sich einerseits über die Komplimente, gab jedoch auch zu verstehen, dass er die Vorwürfe von van Persie nicht nachvollziehen könne. "Natürlich brauche ich meine Freiheiten. Aber ich spiele für das Team. Schließlich wollen wir die WM gewinnen", betonte der 22-Jährige, der nach Ansicht von Oranje-Legende Johan Cruyff eine "fabelhafte Karriere" vor sich hat und zum WM-Star werden könnte.

Kritik an Defensiv-System
Während der Europameister von 1988 nach einem Spiel drei wichtige Punkte auf dem Konto hat, stehen die Südeuropäer am Freitag in Gelsenkirchen gegen Argentinien bereits mit dem Rücken zur Wand. Die verbalen Angriffe der eigenen Spieler auf ihren Teamchef sind für die kommende Aufgabe alles andere als förderlich. Seinem Ärger machte vor allem Mittelfeldspieler Ognjen Koroman Luft, der kurz vor der Pause für Verteidiger und Robben-Gegenspieler Nenad Djordjevic eingewechselt worden war.

"Ich sehe keine Logik darin, so defensiv anzutreten. Hätten wir die Niederländer attackiert, hätten wir sie schlagen können. Wir hätten natürlich auch mit ein paar Toren Unterschied verlieren können, aber wenigstens nicht auf eine so feige Art und Weise. Wenn wir gegen Argentinien so agieren, haben wir keine Chance", kritisierte der Portsmouth-Legionär, der von Stürmerstar Mateja Kezman Unterstützung erhielt: "Wir hängen da vorne in der Luft. Wenn wir nicht beginnen zu spielen, fliegen wir aus dem Turnier." Dragutinovic stimmte ebenfalls mit ein: "Man braucht auch ein wenig Glück. Um sich diesen Glück auch zu verdienen, muss man angreifen. Und genau das haben wir in der ersten Hälfte nicht getan."

Petkovic, der seine Taktik und Analyse nicht in der Öffentlichkeit kommentieren bzw. vornehmen wollte, meinte zur Niederlage: "Wir haben einen Fehler gemacht und sind dafür bestraft worden. Es ist ein Jammer, wir hatten unsere Chancen, haben sie aber leider nicht genützt." Doch er gestand Fehler ein und gelobte Besserung. Das nächste Spiel werde man offensiver angehen. "Wir haben jetzt keine Alternative mehr." Die Serben hatten auf dem Weg nach Deutschland in zehn WM-Quali-Spielen nur einen einzigen Treffer kassiert.

(apa/red)

12.6.2006 14:59