Freitag, 16. Juni 2006

Rebellen-Hauptquartier bombardiert: Sri Lanka am Rande eines neuen Bürgerkriegs!

  • Rebellen: Regierung scheinbar bereit für Krieg
  • Investoren und Touristen könnten Insel fernbleiben

Nach dem schweren Anschlag in Sri Lanka haben die Kämpfe zwischen Regierung und Rebellen am Freitag an Schärfe gewonnen. Seit einer 2002 vereinbarten Feuerpause steht das Land näher als je zuvor am Rande eines neuen Bürgerkriegs. "Es sieht so aus, als sei die Regierung bereit für einen Krieg", sagte ein ranghoher Vertreter der Befreiungstiger von Tamil Eelam.

Die Luftwaffe Sri Lankas warf über dem Hauptquartier der Rebellen in Kilinochchi kurz nach Tagesanbruch mindestens fünf Bomben ab. Mitarbeiter von Hilfsorganisation flüchteten sich in Bunker.

Präsident unter Druck
Diplomaten zufolge steht Präsident Rajapakse nun unter wachsendem Druck aus den eigenen Reihen, mit noch mehr Gewalt zu antworten - was eine entsprechende Reaktion der LTTE nach sich ziehen könnte. Auch Bombenanschläge in der Hauptstadt werden nicht mehr ausgeschlossen. In Mitleidenschaft gezogen werden könnte dann auch die Wirtschaft des Landes. Investoren wie Touristen könnten durch die instabile Lage abgeschreckt werden.

Für eine Rückkehr zum Friedensprozess ist es nach Einschätzung einiger Beobachter zu spät. Die Gespräche unter der Vermittlung Norwegens liegen derzeit auf Eis. Die Gewalt hat indes in den letzten Monaten stetig zugenommen. Seit April sind mehr als 500 Menschen getötet worden. Die Vermittler haben die Konfliktparteien daher aufgefordert, sich zu der Feuerpause zu bekennen.

UN-Generalsekretär Annan richtete ebenfalls einen eindringlichen Appell an Rebellen und Regierung. Der jüngste Anschlag zeige, "wie dringend notwendig es für alle Seiten ist, den Waffenstillstand zu erneuern und das Abrutschen in einen totalen Bürgerkrieg aufzuhalten", sagte er. Durch den Bürgerkrieg in den achtziger und neunziger Jahren wurden mehr als 64.000 Menschen getötet.

(apa/red)

16.6.2006 15:02