Montag, 12. Juni 2006

Streit um Erdgas nun auch in Südamerika? Bolivien will von Argentinien mehr Geld

  • Um "Lebensbedingungen des Volkes" zu verbessern
  • Erlös soll in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen

Bolivien will den Preis für das an Argentinien verkaufte Gas um zwei US-Dollar je Tausend Kubikmeter erhöhen und den Erlös in Bildungs- und Gesundheitseinrichtungen investieren. Der argentinische Planungsminister, Julio de Vido, wird nach Bolivien reisen, um Gespräche zu führen, wie Präsident Evo Morales wissen ließ.

Mit der Maßnahme will Morales nach eigenen Angaben die "Lebensbedingungen des Volkes" verbessern. Die bisherigen Gespräche mit Argentinien zu dem Thema seien gut verlaufen. Am gestrigen Sonntag habe Morales mit dem Präsident des Nachbarlandes, Nestor Kirchner, gesprochen. Kirchner habe von einer Erhöhung um 1,5 Dollar gesprochen; das Ziel Boliviens sei aber dennoch eine Erhöhung um zwei Dollar. Der derzeitige Preis liegt bei 3,4 US-Dollar (2,70 Euro).

Aktuell liefert Bolivien täglich 7,7 Mio. Kubikmeter Erdgas an Argentinien. Das Volumen soll jedoch durch den Bau einer Gas-Pipeline in den Nordwesten Argentiniens und durch andere Projekte auf 30 Mio. Kubikmeter täglich gesteigert werden.

Bolivien ist nach Venezuela das Land mit den größten Gasreserven in Lateinamerika. Bisher hat die Bevölkerung vom Profit wenig gehabt. Präsident Morales, selbst ein Vertreter der indigenen Bevölkerungsmehrheit, hat es sich zum Ziel gesetzt, den Reichtum des Landes (vor allem im Osten des Landes) zum Reichtum der Bevölkerung (über 80 Prozent leben im andinen Westen) zu machen. Das birgt politischen und sozialen Sprengstoff. Erst nach dem 2. Juli, dem Tag des Autonomiereferendums, wird sich zeigen, wie es im Andenstaat weitergeht. Experten erwarten, dass die reichen Provinzen für die Autonomie votieren werden. Damit könnte sich die Situation weiter zuspitzen, erwarten Beobachter.
(apa)

12.6.2006 18:04