"Flächendeckende Verzweiflung": Ex-GPA-Chef Sallmutter zu mieser Stimmung im ÖGB
- Hundstorfer-Anwesenheit "wird ihm nachhängen"
- Von Verschuldung selbst "aus der Zeitung erfahren"
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Die BAWAG-Affäre lässt niemanden mehr kalt: Für den ehemaligen GPA-Vorsitzenden Hans Sallmutter ist die BAWAG-Affäre "eine Katastrophe". "Da gibt's nur flächendeckende Verzweiflung", beschreibt Sallmutter die Stimmung im ÖGB. Die Anwesenheit des nunmehrigen ÖGB-Präsidenten Rudolf Hundstorfer bei der Fusions-Hauptversammlung von BAWAG und PSK im September 2005 sieht Sallmutter zwar als Belastung - aber: "Aus meiner Sicht disqualifiziert ihn das nicht, wenn man die Umstände berücksichtigt."
Hundstorfer hatte bei der Fusion-Hauptversammlung, auf der unter anderem auch die Übernahme von 1,5 Mrd. Euro Schulden der BAWAG durch den ÖGB finalisiert wurde, den damaligen Gewerkschaftspräsidenten Fritz Verzetnitsch vertreten. "Er hat das abgesegnet, dass die Belastungsüberführung beim ÖGB gelandet ist. Das wird ihm natürlich nachhängen. Das lassen sich die Gegner der Gewerkschaftsbewegung nicht entgehen", sagt Sallmutter.
"Dann geht man nicht nachfragen"
Allerdings müsse man Hundstorfer verstehen: Verzetnitsch sei ein enger persönlicher Freund gewesen, mit ÖGB-Finanzreferent Günther Weninger habe Hundstorfer in der Gewerkschaft der Gemeindebediensteten eng zusammengearbeitet. "Wenn man so dick befreundet ist, dann geht man nicht nachfragen. Da bin ich voll auf Seiten des Rudi Hundstorfer", so Sallmutter. Dass Verzetnitsch Hundstorfer "reinlegen" wollte und ihn deshalb zur Hauptversammlung schickte, glaubt er aber nicht: "Der Fritz war wahrscheinlich der Meinung, das lässt sich alles vertuschen."
Von ÖGB-Schulden aus Zeitung erfahren
Dass sich der Gewerkschaftsbund im Zuge der BAWAG-PSK-Fusion mit 1,5 Mrd. Euro verschuldet hatte, das habe er selbst erst "aus der Zeitung erfahren", betont Sallmutter. Bei der Präsidiumssitzung im Herbst 2005, bei der die Vorgangsweise abgesegnet wurde, sei er selbst nämlich schon im Ruhestand gewesen und habe seinen Resturlaub konsumiert. "Ich war im ganzen Jahr 2005 bei keiner Sitzung." Vertreten wurde er grundsätzlich von seinem Nachfolger an der GPA-Spitze Wolfgang Katzian - ob der bei der Sitzung gewesen sei, wisse er nicht, so Sallmutter.
"Na bitteschön, wo hat die BAWAG das viele Geld her?"
Hätte er gewusst, dass sich der ÖGB wegen der Fusion der BAWAG mit der PSK verschulden muss, dann hätte er der Übernahme nicht zugestimmt, betont Sallmutter. Er habe sich damals ohnehin gewundert, dass die BAWAG 1,3 Mrd. Euro für die Übernahme in die Hand nehmen konnte: "Ich habe mir gedacht: Na bitteschön, wo hat die BAWAG das viele Geld her. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass der ÖGB in irgendeiner Form betroffen sein könnte."
Sallmutter: ÖGB muss Krise überstehen
Für die derzeitige Lage fühlt sich Sallmutter "mitschuldig", auch wenn er betont, bereits 1994 aus dem BAWAG-Aufsichtsrat ausgeschieden zu sein. Ob der ÖGB die Krise überstehen kann? Sallmutter: "Er muss es. Es geht um die Idee." Da müsse man alle persönlichen Karriere- und Machtüberlegungen außer Acht lassen. Auch die Wahlchancen der SPÖ sieht der frühere Spitzengewerkschafter intakt: "Momentan schaut es sicherlich nicht gut aus, aber in ein paar Monaten ist vieles anders - wenn spürbar wird, dass im ÖGB ein Reformwille da ist." (apa/red)
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