Mittwoch, 14. Juni 2006

'Verkauf in Teilen bringt niemandem was': BAWAG-Chef Nowotny ist gegen Filetierung

  • Bank-Generaldirektor will Verkaufsprozess pushen
  • Zum Verkaufstermin hält sich Ewald Nowoty bedeckt

BAWAG-Chef Ewald Nowotny hat am Dienstagabend den Ablauf des Verkaufsprozesses für die Gewerkschaftsbank angerissen. Zugleich hat er sich klar gegen eine "Tranchierung" der Bank ausgesprochen. Ein Verkauf in Teilen bringe niemandem etwas, auch nicht beim Preis.

In einem mehrstufigen Auswahlverfahren sollen aus heutiger Sicht nach einer breiten Interessentensuche voraussichtlich 3 Käufer-Kandidaten der engeren Wahl übrig bleiben, mit denen endverhandelt wird und die schließlich auch gegeneinander antreten sollen. Präferenzen nannte Nowotny ebenso wenig wie einen erhofften Mindest-Verkaufserlös. Den Buchwert beziffert die Bank mit mindestens 1,7 Mrd. Euro.

Eines schließt der Bankchef aus: Eine Zerschlagung. Freilich wisse er, dass es eine Fülle von Interessenten gebe, die an einzelnen Kernstücken interessiert seien. Aber die Bank gebe es nur als Ganzes, stellte Nowotny heute Abend vor Journalisten klar. Die Lotto-Beteiligung zähle ebenso zum Kerngeschäft wie die Auslandstöchter. Mit einer Filetierung könne er jedenfalls "nicht leben", betonte Nowotny.

Zum absehbaren Verkaufstermin hält sich Nowoty bedeckt. Zuvor hatten heute Regierungskreise sowie auch RZB-Generaldirektor Walter Rothensteiner ihre Einschätzung geäußert, dass es bis dahin nach der Wahl werden dürfte. Laut Regierungsplan und Garantiegesetz muss der Gewerkschaftsbund die BAWAG bis Juli 2007 zur Gänze verkauft haben.

"Wir leiten gerade die Due Diligence-Phase ein, richten die Datenräume ein", berichte der BAWAG-Boss zum Stand der Dinge im Haus selbst. Er wisse, dass der bevorstehende Sommer selbst für Investmentbanker keine besonders aktive Zeit sei. Und dass ein Wahltermin wie jetzt im Herbst immer auch ein schwieriges Terminumfeld sei. Dennoch riet er, "mit voller Kraft voraus" zu gehen. "Verzögern kann man immer. Beschleunigen ist schwer".

Unverständnis äußerte Nowotny zur Entscheidung der Stadt Innsbruck, "als Vorsichtsmaßnahme" 124 Mio. Euro Fondsveranlagung von der BAWAG abzuziehen. Laut Nowotny wurde das Depot gekündigt, die Fondsverwaltung bleibe bei der BAWAG P.S.K. Invest. Der BAWAG-Chef nahm diesen Entschluss der Innsbrucker mit "Bedauern" zur Kenntnis. Für ihn ist diese Entscheidung nicht nachvollziehbar. Er kämpfe um jeden Euro. Und er wollte nicht ausschließen, dass dieser Entscheidung nicht ausschließlich ökonomische Überlegungen zu Grunde lagen.
(apa/red)

14.6.2006 08:35