Türken verlieren Lust auf die Europäische Union: Zustimmung sank von 72 % auf 57 %
- 56% der Meinung, Land könne Probleme alleine lösen
- Ähnliche niedrige Werte zuletzt vor 10 Jahren erzielt
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Die Türken verlieren die Lust an Europa und an der Demokratie: Nur noch 57,3 Prozent unterstützen die EU, wie eine Umfrage ergab. Noch vor zwei Jahren war die EU-Zustimmung bei 72,2 Prozent gelegen. Ähnlich niedrige Werte wie derzeit wurden zuletzt vor zehn Jahren festgestellt. Eine Mehrheit von 56,6 Prozent sagte, die Türkei könne ihre Probleme alleine lösen und brauche dazu keine Hilfe von außen. Nur 29 Prozent glauben, die Probleme des Landes ließen sich durch die EU-Mitgliedschaft lösen.
Soziologen zweier Universitäten befragten für die Untersuchung 1846 türkische Wähler im März und April. Dabei zeigte sich unter anderem, dass die Demokratie in der Türkei offenbar nicht tief verwurzelt ist. Während sich die Türken von Europa abwenden, finden militaristisch-nationalistische und islamistische Gedanken viele Anhänger.
40 Prozent ziehen eine Militärregierung einer gewählten Regierung vor, jeder zweite Befragte heißt Menschenrechtsverletzungen im Interesse des Staates gut und befürwortet Einschränkungen der Meinungsfreiheit. 42 Prozent sind der Meinung, dass ausländische Urlauber die Moralvorstellungen der Türken untergraben.
Wie diese Moralvorstellungen aussehen, zeigte die Umfrage ebenfalls: Die meisten Befragten würden ihre Tochter nur einem Moslem zur Frau geben und halten eine Eheschließung nur dann für gültig, wenn es neben der standesamtlichen Trauung auch eine religiöse Zeremonie gegeben hat.
Jeder zehnte Türke ist nach dem Ergebnis der Studie sogar für die Einführung eines Scharia-Regimes. Die pro-europäische Zeitung "Radikal" zeigte sich schockiert über das Bild, das die Umfrage von den Türken zeichnet: "Fromm, militaristisch und freiheitsfeindlich" sei die Bevölkerung.
(apa)
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