Donnerstag, 15. Juni 2006

Kanzler Schüssel wirbt für Burger-Kette: Plakat angeblich Fotomontage, SPÖ sauer

  • Kalina: "Das ist ganz glasklar abgekartete Sache"
  • Wiedergutmachung: McDonald's wird Geld spenden

Seine Fußball-Begeisterung hat Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) einen angeblich ungewollten Werbeauftritt beschert - der Hobbykicker strahlt neuerdings auf McDonalds-Plakaten. Die Fastfood-Kette wirbt zur Fußball-WM für ihre WM-Burger mit mehreren Prominenten, die mit einem rot-weiß-roten Schal, rot-weiß-rot bemalten Wangen und dem Slogan "Österreich isst Weltmeister" ausgestattet sind. Während die ÖVP behauptet, das Werbeplakat sei eine Fotomontage, spricht die SPÖ von einer "billigen" Erklärung.

Für die Kampagne ausgesucht wurden prominente Persönlichkeiten, die bekannte Fußball-Fans sind, neben Schüssel sind das Andreas Goldberger und Andreas Herzog. Die Wahl der Werbeagentur CCP Heye für den Kanzler kam McDonalds allerdings nicht ganz billig. Kaum seien die Plakate in Umlauf gekommen, "kam prompt ein Anruf aus dem Büro Schüssels", heißt es dazu in der PR-Agentur Pleon Publico. In den folgenden Verhandlungen habe man sich darauf geeinigt, dass McDonalds eine "beträchtliche Summe" für karitative Zwecke spenden muss.

Die Idee hinter der Aktion sei es, die positive Stimmung der WM einzufangen. Die Werbeagentur habe dabei bewusst auf positive Provokation gesetzt und sich für den Kanzler entschieden. Hätte man um Erlaubnis gefragt, hätte man Absagen und mühsame Verhandlungen riskiert und so habe man sich "einfach getraut".

Lopatka: Kampagne nicht beauftragt
ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka betonte auf Anfrage der APA, dass die Plakat-Kampagne "nicht vom Bundeskanzler beauftragt" sei. Offenbar seien die Persönlichkeitswerte des Kanzlers aber so gut, "dass er als Sympathieträger eingesetzt wird". Im Übrigen habe es schon mehrmals Werbekampagnen mit dem Schüssel-Konterfei gegeben - zuletzt etwa von der Kronen-Zeitung.

SPÖ: Erklärung "billig"
Die SPÖ will nicht daran glauben, dass Schüssel ohne sein Wissen auf den McDonalds-Plakaten gelandet ist. SP-Kommunikationschef Josef Kalina verwies darauf, dass Schüssels Pressesprecherin früher selbst bei der für die Kampagne zuständigen PR-Agentur Pleon Publico gearbeitet habe. "Die Pleon Publico wimmelt nur so von Leuten, die ein Mal bei der ÖVP arbeiten, und dann wieder bei der Publico", sagte Kalina.

"Das ist ganz glasklar eine abgekartete Sache", glaubt Kalina. Es handle sich bei der McDonalds-Werbung um eine von der Publico "eingehängte" Image-Kampagne. "Es ist billig, so zu tun, als hätte gerade diese Agentur, wo die Pressesprecher des Herrn Bundeskanzler ein und aus gehen, den Mut gehabt, den Schüssel wo zu plakatieren, ohne dass sie den Schüssel fragen. Der Herr Schüssel hat für dieses Foto Modell gestanden und er soll dazu stehen", fordert Kalina.

Glück: Bild eine Fotomontage
Kanzler-Sprecherin Heidi Glück weist die Mutmaßungen der SPÖ zurück. Das Foto sei ohne Zustimmung des Bundeskanzlers verwendet worden und sei nach Angaben der zuständigen Werbeagentur eine Fotomontage. "Produktwerbung machen wir aus Prinzip nicht", sagte Glück.

Glück verweist darauf, dass Schüssel-Bilder immer wieder ohne Rückfrage für Werbekampagnen verwendet würden (zuletzt gab es Plakatsujets der "Kronen Zeitung" u.a. mit Bildern von Schüssel, SP-Chef Alfred Gusenbauer und Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider, Anm.). "Im Prinzip kann man das nicht verhindern. Der Kanzler ist eine öffentliche Person", sagt Glück. Sie selbst habe trotz ihrer Publico-Vergangenheit im Vorfeld nichts von der McDonalds Kampagne erfahren: "Ich habe halt leider mit der Publico nicht jeden Tag Kontakt." (apa/red)

15.6.2006 16:27