Baby misshandelt: Prozess gegen Lebens- gefährten der Mutter endet mit Schuldspruch
- Brüche, Hämatome und Brandwunden: 10 Monate
- Verfahren gegen 19-Jährige Mutter wurde eingestellt
Wegen vorsätzlicher und fahrlässiger schwerer Körperverletzung ist am Landesgericht Wiener Neustadt heute, Mittwoch, ein 23-Jähriger zu zehn Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt worden. Laut Anklage hatte das Baby seiner Lebensgefährtin unter seiner Obhut im Jänner massive Knochenbrüche erlitten. Der Niederösterreicher nahm das Urteil an, der Staatsanwalt gab keine Erklärung ab, somit ist das Urteil nicht rechtskräftig.
Die ganze Wahrheit sei in dem Verfahren nicht zu Tage gekommen, spielte Einzelrichterin Sonja Arleth darauf an, dass der - im Substitutionsprogramm (nach Drogenabhängigkeit) befindliche Beschuldigte vielleicht mit der Situation überfordert gewesen war. Mildernd wirkte sich das Geständnis des Angeklagten aus, erschwerend das Zusammentreffen zweier Vorfälle und das Alter des Säuglings. Rechtsanwalt Ernst Schillhammer zufolge habe es sich nicht um Misshandlung gehandelt, sein Mandant sei ein "liebender Stiefvater", der wieder mit seiner Freundin und dem Kind zusammenleben möchte.
"Es tut mir wahnsinnig leid", erklärte der Beschuldigte unter Tränen. Er bekannte sich in zwei Punkten schuldig: Ein Mal sei ihm der Kleine, nachdem er ihm das Flascherl gegeben hatte, aus der Hand gerutscht und auf den Holzboden gefallen. Ein anderes Mal - wann genau, wusste er nicht - habe er das Baby etwa 20 Zentimeter hochgeschubst und wieder aufgefangen, wobei er es möglicher Weise am Brustkorb zu fest drückte. Warum er dies tat: "Im Fernsehen machen's die Väter auch so." Den dritten Anklagepunkt, dass er dem Kind mit einer Zigarette am Hals eine Brandwunde zugefügt hätte, bestritt er - Freispruch im Zweifel.
Beim Kennenlernen im Sommer 2005 beim Weinfest in Guntramsdorf wusste der gelernte Maler und Anstreicher, dass die 19-Jährige im vierten Monat schwanger war. Das Paar zog zusammen in die Wohnung der Frau. "Wir wollten heiraten", sagte der Angeklagte. Auch bei der Geburt des Babys am 11. Dezember war er dabei. In der Säuglingspflege wechselten sie sich ab, schilderte der 23-Jährige, der aus einer anderen Beziehung einen heute dreijährigen Sohn hat.
Bei einer Mutter-Kind-Pass-Untersuchung am 9. Jänner wies der Kleine keinerlei Verletzungen auf, sagte der praktische Arzt heute aus. Am folgenden Abend stellte die 19-Jährige fest, dass der Bub einen geschwollenen Arm hatte. Am nächsten Morgen wurde der Säugling im Krankenhaus Mödling stationär aufgenommen - festgestellt wurden Brüche der fünften bis neunten Rippe, von Oberarm und Schienbein sowie eine Bruchlinie am Schädel. Die Verletzungen sind komplett ausgeheilt, das Kind ist bis dato bei einer Pflegefamilie untergebracht.
Zunächst waren beide in Untersuchungshaft, das Verfahren gegen die Kindesmutter wurde eingestellt. Sie könne sich nicht vorstellen, dass ihr Freund dem Baby absichtlich weh getan hätte, sagte sie heute. Und ihre Mutter: Er sei liebevoll mit dem Kleinen umgegangen.
(apa/red)
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