Dienstag, 6. Juni 2006

Neue Studie beweist: Neandertaler waren nicht Vorfahren des modernen Menschen

  • Laut neuesten Gen-Tests nur "entfernte Vettern"
  • Neandertaler durch Cro-Magnon-Menschen verdrängt

Die Neandertaler waren entfernte Vettern der heutigen Menschen - nicht aber unsere direkten Urahnen. Neandertaler paarten sich jedenfalls nicht mit Menschen-Vorfahren, wie französische Forscher mit Hilfe eines Gen-Tests am ältesten bekannten Neandertaler-Fossil belegten. Die Studie von Catherine Hänni und ihrem Team wird in der Zeitschrift "Current Biology" veröffentlicht.

Nach dem spektakulären Fund eines Schädels im Neandertal bei Düsseldorf im August 1856 galten Neandertaler (Homo neanderthalensis) mehr als ein Jahrhundert lang als direkte Vorfahren der heutigen Menschen (Homo sapiens). Die neue Studie stützt aber die inzwischen gewonnene Erkenntnis, dass die Neandertaler vor knapp 30.000 Jahren ausstarben, ohne Nachkommen zu hinterlassen. Die sesshaften und stämmigen Neandertaler wurden durch die wendigeren Cro-Magnon-Menschen verdrängt, die vermutlich aus dem Mittleren Osten nach Europa eingewandert waren und sich dort besser an die Eiszeit anpassten.

Für ihre Studie analysierte Hänni Überreste eines Neandertaler-Kindes aus der belgischen Scladina-Grotte. Der untersuchte Zahn war rund hundertausend Jahre alt und stammte damit aus einer Zeit, als die Neandertaler in Europa ohne unmittelbare Urmenschen-Konkurrenz lebten. Die Forscher wiesen große genetische Ähnlichkeiten zwischen dem Kinderzahn und neun jüngeren Funden von Neandertalern nach; auffallende Ähnlichkeiten zwischen Neandertalern sämtlicher Epochen und dem Menschen gab es dagegen nicht. Hänni folgerte daraus, dass sich beide Arten in den gut zehntausend Jahren gemeinsamer Existenz nicht kreuzten.

Im vergangenen Monat hatte eine andere Studie für Aufsehen gesorgt: Eric Lander von der US-Universität Harvard und andere Gen-Forscher hatten berichtet, dass weit ältere Vorfahren der heutigen Menschen und Schimpansen Millionen von Jahren nebeneinander gelebt und sich auch gepaart hatten. Beide Arten gingen demnach wohl erst vor etwa 1,2 Millionen Jahren endgültig getrennte Wege. Für die Studie hatten Eric Lander von der US-Universität Harvard und andere Forscher das Alter von Gen-Schlüsselsequenzen im Erbgut von Mensch und Schimpanse verglichen.

(apa)

6.6.2006 14:56