Sonntag, 11. Juni 2006

"Kopf hoch": Sportartikelkonzern Head nach
Jahren roter Zahlen zurück auf Erfolgsstraße

  • FORMAT: Dank prominente Testimonials & Sprakurs
  • PLUS: Chef des Konzerns, Johan Eliasch, im Interview

Prominente Testimonials wie Tennis-Ikone Andre Agassi und ein rigider Sparkurs haben den Sportartikelkonzern Head nach Jahren roter Zahlen zurück auf die Erfolgsstraße geholt.

"Das ist alles nur blödes Gerede. Ich habe nie an einen Verkauf gedacht." Dem schwedischen Unternehmer Johan Eliasch ist die Genugtuung anzumerken, letztlich über Kritiker und Pessimisten obsiegt zu haben.

Der Mehrheitsaktionär des Sportartikelherstellers Head konnte nach Jahren schwerer Verluste 2005 erstmals wieder eine positive Bilanz vorlegen und belohnte sich und die übrigen Aktionäre mit einer satten Sonderdividende.

Österreichischer Konzern ging 1995 an Niederländer
Doch die Sanierung des ehemals österreichischen Sportartikelherstellers - 1995 hatte Eliasch den Konzern der Austria Tabak abgekauft - war keineswegs Business as usual, sondern das Ergebnis einer harten Restrukturierung, die mit äußerster Konsequenz durchgezogen wurde.

Der mit seiner Familie heute in London lebende 44-jährige Entrepreneur Johan Eliasch hat in den vergangenen Jahren einen harten Kampf ums wirtschaftliche Überleben des im Winter-, Tennis-, Tauch-und demnächst auch Golfsport tätigen Unternehmens geführt. Noch vor gut zwei Jahren hat dem niederländischen Konzern mit Sitz in Amsterdam kaum jemand ernsthaft Überlebenschancen eingeräumt: 2003 hatten sich Verluste in Höhe von 14,7 Millionen Dollar angehäuft, knapp sechsmal so viel wie im Jahr davor. 2004 hat das in New York und Wien börsennotierte Unternehmen bei 479,1 Millionen Dollar Umsatz 36,9 Millionen Dollar Verlust geschrieben. Massive Verkaufsgerüchte rankten sich um den Sanierungsfall. "Schlaflose Nächte hatte ich dennoch keine", bleibt Firmenchef und Mehrheitseigentümer Johan Eliasch gelassen (siehe Interview Seite 44). Doch selbst der als zäh geltende Geschäftsmann betont, dass harte Zeiten hinter ihm liegen.

Aktie nur mehr 1,43 Euro wert
Die Gründe für die finanzielle Schieflage beschränkten sich keineswegs nur auf interne Faktoren. Der durch die Tsunami-Katastrophe bedingte drastische Rückgang des Tauchsportgeschäfts, die schlechte Schneelage in Norditalien und den USA, der späte Winterbeginn sowie ein deutlicher Rückgang der globalen Nachfrage nach Tennisschlägern ließen die Umsätze absacken. Die Folgen spiegelten sich deutlich im Kursverlauf der Aktie. Das Papier erreichte im April 2003 den historischen Tiefstand von 1,43 Euro, woraufhin Eliasch den Sparstift zückte, um im Unternehmen kräftig aufzuräumen: 2004 lagerte er neunzig Prozent der Tennis-Racket-Produktion nach China aus, was seine Kosten je Arbeitskraft auf etwa ein Fünftel reduzierte. "Noch", resümiert Eliasch, "ist das möglich, aber in nur fünfzig Jahren werden die Leute dort genauso viel verdienen wie in Westeuropa. Was wir dann tun werden, steht in den Sternen."

In Österreich hat Eliasch erst im Vorjahr Mitarbeiter abgebaut: 120 Leute wurden in Kennelbach bei Bregenz auf die Straße gesetzt. 130 mussten im tschechischen Budweis das Feld räumen. "Es macht mich traurig, Leute zu feuern. Aber manchmal ist es aus Kostengründen einfach notwendig", rechtfertigt Eliasch die Entlassungen. Head-Österreich-Chef Bob Koch ergänzt: "Wir mussten achtzig Prozent der Belegschaft austauschen, viele wurden auch gekündigt. Das war zwar brutal, aber wir sind dabei fair geblieben." Womit er den Sozialplan meinen dürfte, mit dem - zumindest vorübergehend - die schlimmsten Härten gemildert werden sollten.

Lesen Sie im aktuellen FORMAT, wie Eliasch das Unternehmen Head wieder zurück zum Erfolg brachte!

11.6.2006 21:52