Sonntag, 11. Juni 2006

Trotz Abgang des Cgef-Trainers: Kicker aus
Togo vor erstem Spiel weiter optimistisch

  • 'Alle sind sicher, dass wir gegen Südorea gewinnen'

Die Turbulenzen rund um den überstürzten Rücktritt von Teamchef Otto Pfister wenige Tage vor dem ersten WM-Match haben der Zuversicht der togolesischen Fußball-Teamspieler offenbar keinen Abbruch getan. Zwar standen die "Sperber" wenige Tage vor ihrer ersten Endrunden-Partie überhaupt gegen Südkorea ohne Chef-Trainer da, Ex-Admiraner Eric Akoto gab sich aber dennoch siegessicher: "Alle im Kader sind sich hundertprozentig sicher, dass wir gegen Südkorea gewinnen."

Glaubt man dem Defensiv-Spezialisten mit Wohnsitz in Perchtoldsdorf, hätte der Pfister-Abschied auch keine negativen Auswirkungen auf die entscheidende Vorbereitungsphase für die WM-Premiere der Afrikaner. "Es ist alles in Ordnung, wir haben gut trainiert", beteuerte Akoto, der die Hoffnung auf eine Rückkehr des deutschen Trainers noch nicht ganz aufgegeben hatte. "Vielleicht kommt er ja wieder zu uns." So wie Pfister hob auch Akoto das korrekte Verhältnis zwischen Trainer und Mannschaft hervor. "Es hat keinen Streit von Spielern mit ihm gegeben."

Laut Akoto konzentriert sich die togolesische Auswahl schon voll auf das Südkorea-Match. Für ihn selbst wird in dieser für Togo historischen Partie wohl nur ein Platz auf der Ersatzbank bleiben. "Ich glaube nicht, dass ich spiele", befürchtete der Abwehrspieler.

Winfried Schäfer vor WM-Comeback als Togo-Trainer
Der Deutsche Winfried Schäfer steht vor einem Comeback als Trainer bei einer Fußball-Weltmeisterschaft. Der 56-Jährige wird wahrscheinlich neuer Coach der Nationalmannschaft von Togo und würde nach Kamerun 2002 eine weitere afrikanische Mannschaft betreuen. Schäfer sagte, die Chancen auf eine Einigung lägen "bei 70 Prozent. Togo möchte mich gerne verpflichten, ich höre mir das gerne an", sagte er auf dem Weg zu Verhandlungen ins togoische Teamquartier nach Wangen im Allgäu.

Schäfer betonte, er würde nur für die Dauer der WM und nur "zu meinen Bedingungen" als Trainer Togos arbeiten. Die Zeit drängt, denn bereits am Dienstag treffen die Afrikaner in Frankfurt/Main auf Südkorea.

"Ich muss es nicht machen. Ich weiß, wie Afrikaner zu führen sind. Das Problem ist das Drumherum. Es muss alles stimmen und alle Störenfriede müssen raus", sagte er. Von seinem jetzigen Verein Al Ahli Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten erhielt er bereits grünes Licht für einen Einsatz als togoischer Trainer während der WM. "Ich habe mit meinem Präsidenten dort gesprochen, die würden sich freuen."

Für eine Einigung spricht zudem, dass Sportartikel-Hersteller Puma als togoischer Ausrüster stark an einem raschen Ende des Chaos interessiert ist. Schäfer hatte nach eigenen Angaben bereits Anfang des Jahres eine Anfrage aus Togo, lehnte damals aber wegen der noch laufenden Saison in den Emiraten ab.

Daraufhin war der Deutsche Otto Pfister verpflichtet worden, der am späten Freitagabend wegen eines durch den ungelösten Prämienstreit ausgelösten Trainingsboykotts das Teamquartier verlassen und fristlos gekündigt hatte. Erfahrungen darin hat auch Schäfer: Die Nationalmannschaft Kameruns wollte im November 2004 zum Länderspiel in Leipzig gegen Deutschland (0:3) wegen ausgebliebener Prämienzahlungen ebenfalls nicht antreten.

Fans im Togo über "geldgierige" Mannschaft verärgert
Das Chaos bei der togoischen Fußball-Nationalmannschaft hat bei den Fans daheim im westafrikanischen Kleinstaat Verärgerung über die Nationalspieler ausgelöst. Kommentatoren warfen den togoischen Fußballern Geldgier und einen Mangel an Patriotismus bei der ersten WM-Teilnahme in der Geschichte des Landes vor.

Auf einer Internetseite der Regierung wurde die Mannschaft scharf kritisiert. "Unseren Spielern scheint es in erster Linie nicht darum zu gehen, die Chancen einer WM-Teilnahme zu nutzen", hieß es, oder: "Sind das Fußballer oder Bankiers?" "Togo ist nicht Brasilien, Frankreich oder Italien. Unsere Mittel sind beschränkt", hieß es weiter.
(apa/red)

11.6.2006 15:00

TIPPKÖNIG