Pfister im Interview: "Es gibt kein Zurück!"
- "Mir wurde die Arbeitsgrundlage entzogen"
Togos Nationalcoach Otto Pfister (69) ist wenige Tage vor dem WM-Startspiel gegen Südkorea überstürzt aus dem Camp der Afrikaner abgereist und zurückgetreten. Der Deutsche begründete seine Entscheidung mit der seit Wochen ungelösten Prämienfrage und den Streiks der Spieler. Im Interview erklärte Pfister auch, dass es kein Zurück geben werde.
"Mir wurde die Arbeitsgrundlage entzogen. So kann man sich nicht auf eine WM-Partie vorbereiten", betonte Pfister wenige Stunden nach seiner Demission. Zum zweiten Mal nach Ende 1997 (Saudi-Arabien) schied der Kölner vor der WM-Endrunde aus. Im folgenden Interview schilderte Pfister die Umstände, die zum Eklat führten.
Was ist im Camp in Wangen im Allgäu passiert?
Otto Pfister: "Was ist schon passiert? Ich bin per sofort zurückgetreten. So ist das, ja."
Weshalb reisten Sie ab?
Pfister: "Hören Sie, mir wurde die Arbeitsgrundlage entzogen. Es war unter diesen Umständen schlicht nicht mehr möglich, die WM
vorzubereiten. Gestern (Freitag) musste ich die Trainingseinheit streichen, weil die Spieler streikten. Am Nachmittag konnten wir die
Video-Analyse nicht durchführen. Die Spieler weigerten sich. So geht
das natürlich nicht."
Die Spieler streikten?
Pfister: "Ja, die Spieler streikten. Und zwar nicht nur einmal,
sondern gleich dreimal. Den letzten Test in Wangen wollten sie auch
bestreiken. Mit Mühe und Not ist es mir gelungen, sie davon abzuhalten. Ich konnte ihnen klarmachen, dass sie damit die gesamte Bevölkerung hier brüskieren würden."
Die Prämienfrage beschäftigte die Mannschaft offenbar seit Wochen.
Ging es wieder nur ums Geld?
Pfister: "Es wurde jeden Tag diskutiert. Der Verband ist nicht in der Lage, das Prämienproblem zu lösen. Dabei wurde mir im Vertrag die
maximale Infrastruktur garantiert. Der Verband hatte mir versprochen,
dass alle Geldfragen bis zum 10. Mai (Start des WM-Camps in den
Niederlanden, Anm.) geklärt seien. Leider traf das nicht zu. Deshalb
habe ich jetzt fristlos gekündigt."
Ist eine Rückkehr kein Thema mehr, falls es im Lager Togos doch noch
zu einer Einigung kommt?
Pfister: "Ich werde auf keinen Fall zurückkehren. Nein, es gibt kein Zurück. Das Thema ist für mich erledigt. Das habe ich dem Rock
(Gnassingbe, Verbandspräsident, Anm.) auch deutlich erklärt. Schade,
aber hier wurde ja nur noch diskutiert."
Wie schwer fällt es Ihnen, auf die WM zu verzichten? Ende 1997 sind
Sie ja bereits als Trainer von Saudi-Arabien kurz vor der WM in
Frankreich zurückgetreten.
Pfister: "So was fällt einem nicht leicht, da hängt ja viel Herzblut
dran. Aber man kann nicht gegen Südkorea 0:3 verlieren, die
Weltpresse fragt und ich sage, die Spieler haben gestreikt."
(apa)
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