Montag, 5. Juni 2006

Vonlanthen gibt WM-Traum nicht auf: Schweizer Stürmer will in Kader zurück

  • 20-Jähriger meldete sich per Fax fit und einsatzfähig
  • Verband hatte Vonlanthen von Kaderliste gestrichen

Drei Tage vor dem Eintreffen der Schweizer Fußball-Nationalmannschaft im deutschen WM-Quartier in Bad Bertrich hat sich Johan Vonlanthen zurückgemeldet. Der wegen einer Verletzung in der Oberschenkelmuskulatur aus dem Kader ausgeschiedene Stürmer behauptet, er sei fit und ab sofort wieder einsatzfähig. Mit einem MRI-Test in Aarau will der 20-Jährige seine Aussagen am Dienstag belegen.

Nach dem 4:1-Erfolg am Samstag im letzten Test gegen China hatte der Schweizer Fußball-Verband (SFV) bei der FIFA den Antrag eingereicht, Vonlanthen auf der verbindlichen 23-Mann-Liste durch den nachnominierten Young-Boys-Regisseur Hakan Yakin zu ersetzen. Der Weltverband bestätigte auf Anfrage den Eingang der SFV-Papiere und wird den Sachverhalt durch die medizinische Kommission unter der Leitung von Dr. Jiri Dvorak prüfen lassen. Andere Dokumente liegen der FIFA bisher nicht vor.

Nun hat Vonlanthen aber seine eigene Sicht der Lage geschildert. Per Fax beschrieb der 20-Jährige seinen Gesundheitszustand erheblich anders als die Verantwortlichen des Verbandes vor kurzem. "Ich fühle mich fit und bin trainingsbereit", hieß es in einem von ihm verfassten Schreiben. Der letzte Fitnesstest am Freitag habe bewiesen, dass er "absolut schmerzfrei" sei. Vonlanthen könne deshalb "ab sofort wieder mit der Mannschaft mittrainieren".

Der Mediziner Heinz Bühlmann, von dem sich Vonlanthen seit vorletztem Sonntag behandeln ließ, bestätigte die Aussagen des 17fachen Internationalen. In der vergangenen Woche hatte der Arzt an drei verschiedenen Tagen Belastungstests angeordnet. Nach einem abschließenden "Maximaltest" (Bühlmann) kam der Arzt zum Schluss, "dass er (Vonlanthen, Anm.) körperlich gesund ist und ihn die Verletzung nicht mehr stört".

Sollte der MRI-Test am Dienstag bestätigen, dass bei Vonlanthen keine schwere Verletzung vorliege und damit die Einschätzung der drei SFV-Mediziner grundsätzlich widerlegt würde, wird sich die FIFA mit dem Fall womöglich intensiver befassen müssen - auch wenn für den Weltverband zur Beurteilung medizinischer Fälle prinzipiell die Angaben der jeweiligen Verbandsärzte maßgebend seien, wie FIFA-Sprecher Andreas Herren erklärte.

Vonlanthen glaubt, seinen Platz im WM-Kader zu Unrecht verloren zu haben. Er misstraut offenkundig der gesamten Ärzte-Crew des Verbandes - vielleicht auch weil er weiß, dass er an der WM-Endrunde gutes Geld verdienen könnte: 5.000 Franken (3.206 Euro) pro Punkt und 75.000 Franken (48.086 Euro) Bonus für eine durchaus realistische Achtelfinal-Qualifikation.

(apa/red)

5.6.2006 20:59

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