Samstag, 10. Juni 2006

Juventus-Skandal und Verletzungspech: Italiener wollen in Duisburg zur Ruhe finden

  • Im "Billig"-WM-Quartier sind nur Früchte deutsch
  • "Konzentrieren uns ausschließlich auf die WM"

Weit von der Heimat entfernt will die italienische Fußball-Nationalmannschaft vor der WM in Deutschland zur Ruhe kommen. Die Stadt Duisburg im deutschen Ruhrpott wird für die Zeit des Fußball-Festes zu "Little Italy", sogar einige Polizisten haben auf ihren Dienst-Motorrädern die italienische Fahne gehisst. Das Quartier - das Landhaus Milser - ist jedoch seit der Ankunft am Mittwochabend Sperrzone für Fans und Journalisten.

Im Landhaus setzt man nicht zuletzt auf Grund vieler Sponsoren-Deals der "Squadra" auf italienische Kost (Nudeln, Salami,...), nur die Früchte dürfen aus Deutschland sein. Dass Teamchef Marcello Lippi darauf bestand, zwecks Verhinderung von eventuellen Ablenkungen auf weibliches Servierpersonal zu verzichten, war nur ein Gerücht. So wurden am Mittwoch bereits drei Kellnerinnen für Kapitän Fabio Cannavaro und seine Kollegen gesichtet.

Im Vergleich zu früheren Großveranstaltungen setzen die Azzurri punkto Quartier diesmal auf relative Bescheidenheit. Die Bleibe soll laut Schätzung der "Gazzetta dello Sport" "nur" rund 200.000 Euro kosten, unter dem Vorgänger und nunmehrigen Salzburg-Starcoach Giovanni Trapattoni sollen die Kosten für das Luxus-Quartier bei der WM 2004 das Fünffache ausgemacht haben. Nach dem blamablen Out in der Vorrunden wurden sie in der Heimat dann als Luxusurlauber verspottet.

Dass es den Italienern dennoch an nichts fehlen wird, garantiert der Süditaliener Antonio Pelle, dem das Hotel zusammen mit Gewichtheber-Olympiasieger Rolf Milser gehört. Pelle ist bei weitem nicht der einzige Italiener in Westfalen, seit den 50-er- und 60-er-Jahren ist dort die Zahl der Italiener auf rund 250.000 gestiegen. Die traditionelle "Casa Azzurri", ähnlich dem Österreicher-Haus bei Olympischen Spielen, ist diesmal im Stadion des in Liga zwei abgestiegenen MSV Duisburg untergebracht.

Schonkost
Wenn die Stars der italienischen Nation zum Training oder zur Pressekonferenz schreiten, dann ist Geduld gefragt. Die erste Übungseinheit in Duisburg begann mit 30-minütiger Verspätung, nach 20 Minuten Stretching und Aufwärmspielchen mussten die Medienvertreter dann das Feld räumen - Training hinter verschlossenen Toren. Ansonsten gaben sich die Italiener jedoch trotz aller Negativschlagzeilen in der jüngsten Vergangenheit offen.

Zur Medienkonferenz erschienen Teamchef Lippi sowie Cannavaro und Stürmer Alberto Gilardino. "Wir konzentrieren uns ausschließlich auf die WM, nur das zählt", erstickte das Trio Fragen nach den mentalen Schiri-Skandal-Folgen unisono im Keim. Auch das Verletzungspech soll nicht aus Ausrede dienen. "Sprechen wir lieber über die Spieler, die fit sind", meinte etwa Cannavaro.

Aber auch Cannavaro betonte, wie wichtig ein in Hochform aufgeigender Regisseur Francesco Totti wäre. Zum Gesundheitszustand des Superstars meinte Lippi: "Totti ist für mich kein verletzter Spieler, er ist vollkommen wiederhergestellt und ok."
(apa)

10.6.2006 14:01