Samstag, 10. Juni 2006

Costa Rica lässt sich nicht entmutigen:
"Ticos" haben weiter Achtelfinale im Visier

  • Klose und Frings machen WM-Außenseiter Mut

Der Traum vom Überraschungscoup gegen Deutschland ist geplatzt, dennoch hoffen die "Ticos" weiter auf den Einzug ins Achtelfinale. Die 2:4 (1:2)-Niederlage im Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft stimmte Costa Rica zwar traurig, löste aber keineswegs Depressionen aus. "Natürlich sind wir enttäuscht", sagte der zweifache Torschütze Paulo Wanchope. "Aber wir kämpfen weiter und glauben an unsere Chance." Gegen Polen-Bezwinger Ecuador wollen die Mittelamerikaner am Donnerstag ihren Fehlstart wettmachen.

Deutschlands Doppeltorschütze Miroslav Klose machte Costa Rica Mut: "Wenn sie sich mehr zutrauen, können sie Ecuador und Polen gefährlich werden." Torsten Frings, der die Gastgeber mit seinem Treffer zum 4:2 erlöste, attestierte dem Kontrahenten eine ordentliche Leistung: "Sie wurden im Vorfeld schlechter gemacht, als sie sind." Der zum Zuschauen verurteilte DFB-Kapitän Michael Ballack traut den "Ticos" hingegen wenig zu: "Ich will sie nicht abstempeln. Aber es wird sehr schwer für sie."

Trainer Alexandre Guimaraes sah trotz des weitgehend biederen Auftritts seiner Schützlinge gegen einen keinesfalls brillierenden Gastgeber keinen Anlass zu großer Kritik - im Gegenteil. "Abgesehen von einigen Phasen hat mir unser Spiel Hoffnung für die anstehenden Aufgaben gemacht", meinte der Coach. "Wir haben realistische Chancen, gegen Ecuador und Polen zu gewinnen." Sein Team habe bewiesen, dass es nach Rückständen reagieren könne und sei bis zum 2:4 nahe dran gewesen.

"Uns hat die Erfahrung gefehlt"
Wanchope, mit nunmehr 45 Treffern in 70 Länderspielen Costa Ricas Rekordtorschütze, konstatierte: "Nach dem 2:3 hat Deutschland gewackelt. Aber da hat sich gezeigt, dass uns die Erfahrung fehlt, die eine große Mannschaft auszeichnet."

Die vier Gegentreffer durch Philipp Lahm (6.), Miroslav Klose (17., 61.) und Torsten Frings (87.) belegen die Anfälligkeit der von Guimaraes auf acht Mann aufgestockten Defensive. Angesichts der Defensiv-Taktik war es zugleich bemerkenswert, dass Sturm-Solist Wanchope zweimal zuschlug (12., 73.). "Ich habe mir oft vorgestellt, allein vor Jens Lehmann zu stehen, und wusste deshalb genau, was ich machen musste", schilderte der ehemalige Engländer-Legionär seine Kaltblütigkeit bei den beiden einzigen Chancen für Costa Rica.

Genugtuung in Costa Rica
"Wenigstens endete es nicht in einer Katastrophe", titelte die Tageszeitung "La Nacion" zufrieden. Für die Außenseiter war es eine Genugtuung, dem dreimaligen Weltmeister einigermaßen Paroli geboten zu haben. "Auf uns haben viele keinen Cent gegeben. Aber wir haben gezeigt, dass wir zu etwas fähig sind", betonte der Ex-Karlsruher Douglas Sequeira. Dies soll zunächst Ecuador und später Polen zu spüren bekommen. Beide Kontrahenten sind nach einhelliger Meinung der Mittelamerikaner schwächer als Gruppenfavorit Deutschland.

Kapitän Luis Marin munterte seine niedergeschlagenen Mannschaftskollegen deshalb auf: "Wir haben keine Zeit, die Köpfe hängen zu lassen. In ein paar Tagen geht es weiter. Wir sind traurig, weil wir verloren haben, aber nicht niedergeschlagen." Die Niederlage hatte den meisten Akteuren aber so auf den Magen geschlagen, dass ihr Appetit beim späten Abendessen in München nicht allzu groß war. Nach der nächtlichen Heimfahrt im Mannschaftsbus kamen die "Ticos" am Samstag erst kurz vor dem Morgengrauen im WM-Quartier in Walldorf an.

Für Verteidiger Gilberto Martinez wird das erste Match, wohl auch schon wieder das letzte bei dieser WM. Dem 30-Jährigen, der gegen Deutschland in der 66. Minute ausgewechselt werden musste, droht wegen einer Knieverletzung das frühzeitige Aus. Martinez war schon mit Knieproblemen nach Deutschland gereist. Erst nach eingehenden medizinischen Untersuchungen wird feststehen, ob der ehemalige Teamkollege von Salzburg-Kapitän Markus Schopp beim in die zweite italienische Liga abgestiegenen Klub Brescia Calcio für den Rest der WM ausfällt.
(apa/red)

10.6.2006 13:37