Zu passiv und ideen- und harmlos: Nach 0:2
herrscht im polnischen Lager Ernüchterung
- Aufregung um Radomski und Mila: Keine Interviews
- Journalisten überlegen Beschwerde gegen Austrianer
·Wieder Auftaktpleite für Polen bei einer WM
Ecuador siegt in 2. Spiel der Gruppe A mit 2:0!
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Wie vor vier Jahren in Asien hat die polnische Fußball-Nationalmannschaft auch bei der WM 2006 in Deutschland einen klassischen Fehlstart hingelegt. Das Team von Trainer Pawel Janas enttäuschte beim 0:2 in Gruppe A gegen Ecuador auf der ganzen Linie und präsentierte sich zunächst zu passiv und dann im Finish ideen- und harmlos.
Janas-Gegenüber Luis Fernando Suarez sorgte hingegen mit seinen Mannen für Jubel in der Heimat, der Teamchef meinte jedoch: "Natürlich freuen wir uns riesig, aber wir dürfen nicht zu euphorisch werden. Denn wir haben noch nichts erreicht, das war nur ein erster Schritt Richtung Achtelfinale." Die Polen stehen nun am Mittwoch gegen Gastgeber Deutschland schwer unter Druck, Ecuador kann hingegen den Aufstieg am Donnerstag in Hamburg gegen Costa Rica vielleicht schon fixieren.
Österreichs Bundesliga war im Schalke-Stadion gleich am ersten WM-Tag vertreten, Austria-Wien-Legionär Arek Radomski spielte halblinks im defensiven Mittelfeld und erfüllte dort seine Aufgaben ordentlich, wirklich glänzen konnte aber auch der 28-Jährige an diesem rabenschwarzen polnischen Fußball-Tag nicht. Sein violetter Teamkamerad Sebastian Mila wärmte zwar auf, wurde von Trainer Janas aber nicht ins Spiel gebracht.
Unmut der Journalisten über Austrianer
Bei den polnischen Journalisten wächst der Unmut gegen die beiden Österreich-Legionäre, denn Radomski und Mila verweigern jegliches Interview. Gemeinsam mit Rasiak und Sobolewski bilden die beiden "Österreicher" jenes Quartett, das weder bei offiziellen Pressekonferenzen noch nach Trainings mit den Medienleuten sprechen möchte. Die Journalisten überlegen nun eine offizielle Beschwerde beim Weltverband FIFA.
Janas setzte trotz des angestrebten "Pflichtsieges" auf ein 4-5-1-System, verteidigte jedoch nach der Pleite seine Taktik und schob den Spielern den Schwarzen Peter zu. "Unsere Taktik war nicht schlecht. Es kommt immer darauf an, was die Spieler aus den Anweisungen machen. Das erste Gegentor hat unser Konzept komplett zerstört."
Ecuador mit Selbstkritik
Ein voller Erfolg war hingegen die Taktik der Südamerikaner, die Suarez aber von der Seitenlinie aus verfeinern musste. "Zu Beginn waren wir nicht aggressiv genug. Ich habe meine Spieler aufgefordert, mehr aufzurücken. Dann haben wir das Spiel unter Kontrolle gebracht." Die Treffer der immer selbstbewusster werdenden Ecuadorianer durch den leicht angeschlagenen Carlos Tenorio (Auswechslung nach 65 Minuten) und Agustin Delgado waren der gerechte Lohn. Neben Tenorio hatte auch Kapitän Ivan Hurtado mit Krämpfen ausgewechselt werden müssen, Suarez sprach jedoch in beiden Fällen von reinen Vorsichtsmaßnahmen.
Der Chefcoach war stolz und glücklich, dass die Kritik, sein Team sei lediglich auf 2.850 m Seehöhe zu Hause in Quito WM-tauglich, wohl endgültig der Vergangenheit angehört. "Jetzt haben wir der ganzen Welt bewiesen, dass wir auch unter anderen Bedingungen erfolgreich sein können."
In der Heimat war die Partie am frühen Nachmittag angepfiffen worden. Damit die Ecuadorianer das Match problemlos verfolgen konnten, erklärte Präsident Alfredo Palacio den Freitag zum Feiertag. "Die Leute zu Hause dürfen feiern. Aber wir müssen hart arbeiten, damit wir ihnen noch mehr Freude bereiten", erklärte Stürmerstar Delgado.
"Si, se puede!"
Nicht wie erwartet die 40.000 Polen, sondern die mehr als 5.000 Fans Ecuadors haben am späten Freitagabend jubelnd verlassen. "Si, se puede!" ("Ja, wir können es!") hallte es durch die Straßen, nachdem "Los Tricolores" überraschend mit 2:0 den zweiten vollen Erfolg ihrer WM-Historie eingefahren hatten.
Den Luxus, von Ecuador zur Fußball-Party nach Deutschland zu reisen, kann sich im fußballbegeisterten 13-Millionen-Einwohner-Land nur die absolute "Upper Class" der Einkommenspyramide leisten. Ein großer Teil der in Deutschland vertretenen Fan-Schar wird ohnehin von in den USA oder Europa (vor allem Spanien) lebenden Ecuadorianern gebildet.
Direkt aus der Hauptstadt Quito, die vom deutschen Pendant Berlin mehr als 10.100 Kilometer entfernt ist, angereist ist der 25-jährige Rene, der trotz seines noch jungen Alters fertig ausgebildeter Anwalt ist. Der Jung-Jurist kann es sich leisten, für das alle drei Vorrundenspiele beinhaltende Reise-Paket 5.000 Dollar (3.950 Euro) auf den Tisch zu legen. "Für den Großteil unserer Menschen ist das jedoch unmöglich, die müssen mit 120 Dollar pro Monat überleben."
(apa/red)
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