Montag, 5. Juni 2006

TV-Rechte seit WM 2002 großes Geschäft: Privatfernsehen sorgte für Mega-Einkünfte

  • WM 1990-1998 brachten 218 Mio., 2006 über 1 Mrd.
  • WM 2010 in Südafrika wird noch lukrativer werden

Der Verkauf der TV-Rechte für Fußball-Weltmeisterschaften ist zu einem Milliarden-Geschäft geworden. Allerdings noch nicht lange. Die Endrunden-Turniere 1990 in Italien, 1994 in den USA und 1998 in Frankreich brachten dem Weltverband FIFA zusammen noch relativ bescheidene 218 Millionen Euro, erst danach sind durch die Entwicklung des Privat-Fernsehens die Preise explodiert. Die WM in Deutschland hat der FIFA einer Studie der Wirtschafts-Beratungs-Gesellschaft Deloitte vom November des Vorjahres zufolge 1,44 Milliarden Euro eingebracht.

Der Fußball-Weltverband steht damit schon vor Beginn des Turniers am Freitag als großer Gewinner fest. Gesicherte Gesamteinnahmen von rund 1,7 Mrd. Euro stehen zu Buche, der Großteil geht auf Kosten der TV-Anstalten. Die FIFA kassierte für die Übertragungsrechte der WM-Turniere 2002 und 2006 eine Garantiesumme von 2,8 Mrd. Schweizer Franken (1,81 Mrd. Euro).

Die über die Garantiesumme hinaus gehenden Erlöse durch den Weiterverkauf der Rechte an nationale Fernsehanstalten muss sich Rechte-Inhaber HBS (Host Broadcast Service) mit der FIFA teilen. 1999 als Joint Venture von den mittlerweile insolventen Firmen ISMM und Kirch-Media gegründet, ist die HBS heute eine hundertprozentige Tochter der internationalen Sportmarketingagentur Infront Sports & Media, die für die Übertragung der WM zuständig ist. HBS ist aber nicht nur Rechte-Inhaber, sondern produziert die Bilder auch selbst. 2.000 Mitarbeiter aus 58 Ländern arbeiten daran, die WM lückenlos auszustrahlen.

Europa zahlt für WM 2006 knappe Milliarde
Nach Deloitte-Angaben vom November kommen für 2006 allein aus Europa etwa 1,1 Mrd. Dollar (934 Mio. Euro) Einnahmen aus TV-Rechten, was einem Anteil von mehr als 60 Prozent der Gesamteinnahmen entspricht. Lateinamerika und Asien tragen jeweils knapp über 200 Mio. Dollar (170 Mio. Euro) bei. Die Einnahmen aus dem Mittleren Osten, Nordamerika, Afrika und Ozeanien belaufen sich auf jeweils knapp unter 50 Mio. Dollar (42,5 Mio. Euro).

Die Zuschauer-Zahlen sind auch entsprechend beeindruckend. Rund 30 Milliarden Zuschauer, davon allein eine Milliarde beim Finale Brasilien - Deutschland, hat die WM in Südkorea/Japan 2002 vor die TV-Schirme gelockt, in 213 Länder wurden rund 41.000 Stunden Berichterstattung gesendet - in Deutschland 2006 sollen diese Zahlen ein weiteres Mal überboten werden.

Rechte bis 1998 zum Billigpreis
Die Entwicklung auf dem Rechte-Markt hat aber erst im vergangenen Jahrzehnt voll eingesetzt. Noch 1987 hatte die FIFA unter dem damaligen Präsident Joao Havelange und Generalsekretär Joseph Blatter die TV-Rechte der Weltmeisterschaften 1990, 1994 und 1998 zum Billigpreis verkauft. Eine völlige Fehleinschätzung des sich durch das Privatfernsehen neu entwickelnden Marktes.

WM 2010 in Südafrika bringt noch mehr
Für die WM 2010 in Südafrika wird noch einmal mit Steigerungen gegenüber Deutschland 2006 gerechnet. Ein Indiz dafür war der Vertragsabschluss im vergangenen November, als die FIFA mit dem Vertrag für Fernsehrechte in den USA um 425 Mio. Dollar (332 Mio. Euro) in eine neue Dimension vorgestoßen war. Nach eigenen Angaben handelt es sich bei der Vereinbarung um den höchsten TV-Abschluss in einem einzelnen Land. Die beiden Sender ABC/ESPN und UNIVISION sicherten sich für die Rekordsumme Rechte für alle FIFA-Wettbewerbe von 2007 bis 2014. Eingeschlossen sind die WM-Turniere 2010 und 2014 und andere Medienkategorien wie Internet und Mobiltelefon.

In Europa wird auch die WM 2010 überwiegend im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen sein. Die FIFA hat schon alle europäischen Rechte für die großen Märkte Deutschland, Großbritannien, Spanien, Italien und Frankreich sowie für Rest-Europa an die Europäische Rundfunk-Union (EBU) vergeben und damit eine Garantiesumme von rund einer Milliarde Euro kassiert.
(apa/red)

5.6.2006 12:13