Sonntag, 11. Juni 2006

Weil er "Anti-Nazi"-Shirt trug: Junger Punk in Deutschland erneut von Nazis attackiert

  • Verlor bei erster Attacke mit Bierkrug rechtes Auge
  • Nach Polizeiangaben kam Opfer niemand zu Hilfe

Ein im vergangenen Sommer von Rechtsextremen schwer verletzter 17-Jähriger ist nahe Zerbst (Sachsen-Anhalt) vermutlich erneut Opfer rechter Gewalt geworden. Die Polizei bestätigte einen entsprechenden Bericht des "Tagesspiegels". Neonazis hatten dem Jugendlichen, der der Punk-Szene angehört, Ende Juli 2005 in Zerbst ein Auge ausgeschlagen. Nun wurde er nur wenige Kilometer von dem damaligen Tatort bei einem Heimatfest erneut verprügelt. Dabei verlor er laut Zeitung einen Zahn und erlitt eine Rippenprellung.

Die Beamten nahmen einen Verdächtigen fest. Details wollte die Polizei nicht nennen. Der Verdächtige soll laut Zeitung betrunken gewesen sein. Er befinde sich mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Das Blatt schrieb, das Opfer sei möglicherweise von zwei Schlägern angegriffen worden.

Niemand half Opfer
Die Gewalttat ähnelte laut Zeitung jener vom Sommer 2005. Auch damals war der Jugendliche auf einem Heimatfest attackiert worden. Dem "Tagesspiegel" zufolge soll der 17-Jährige auch am Samstag wieder ein T-Shirt mit einer Anti-Nazi-Aufschrift getragen haben. Es sei zu vermuten, dass er deshalb wieder von Rechtsextremisten attackiert wurde, schrieb die Zeitung unter Berufung auf Sicherheitskreise. Bei dem Angriff soll niemand dem Opfer geholfen haben.

Verlor bei erstem Angriff Auge
Das Landgericht Dessau hatte den 29 Jahre alten Täter vom vergangenen Jahr im Februar zu acht Jahren Haft verurteilt. Er hatte zugegeben, den Punk wegen des T-Shirts mit der Aufschrift "Gegen Nazis" ein Bierglas ins Gesicht geschlagen zu haben. Eine Scherbe zerschnitt das rechte Auge. Nach dem Überfall vom Juli 2005 hatte der Jugendliche laut Zeitung mit seiner Familie Zerbst verlassen, weil sie sich dort nicht sicher fühlten. Jetzt habe sich der Punk wieder getraut, Freunde zu besuchen. (APA/red)

11.6.2006 19:04