Sonntag, 11. Juni 2006

Demonstration gegen Diskriminierung: Tausende bei Schwulen-Parade in Polen!

  • Ausländische Politiker und linke Opposition dabei
  • Rechtsradikale Warschauer Gegenkundgebung entfiel

Bei einer Homosexuellenparade in Warschau haben am Wochenende Tausende gegen Diskriminierung und für Gleichberechtigung in Polen demonstriert. Die Kundgebung, an der sich auch ausländische Politiker und Vertreter der linken Opposition beteiligten, gilt als Erfolg für die polnische Schwulenbewegung. Die "Gleichheitsparade" war in den Vorjahren vom damaligen Warschauer Bürgermeister und nunmehrigen Staatspräsidenten Lech Kaczynski regelmäßig untersagt worden. Sie wurde erst genehmigt, nachdem der Verfassungsgerichtshof das Verbot für rechtswidrig erklärt hat. Eine Gegendemonstration der rechtsradikalen Allpolnischen Jugend wurde kurzfristig von den Veranstaltern abgesagt.

Der so genannte Marsch der Gleichheit durch die Innenstadt von Warschau begann vor dem Parlamentsgebäude. An der Spitze des Demonstrationszugs fuhr ein Lastwagen mit einem Plakat, auf dem stand: "Homophobie tötet". Die Organisatoren wollten nach eigenen Angaben auf die Probleme von Schwulen und Lesben im katholisch geprägten Polen aufmerksam machen, besonders seitdem ultrapopulistische und rechtsklerikale Parteien in der Regierung vertreten sind.

Unter den Demonstrationsteilnehmern waren die deutschen Grünen-Politiker Claudia Roth, Renate Künast und Volker Beck. Beck, der vor zwei Wochen bei einer ähnlichen Veranstaltung in Moskau von Gegendemonstranten verletzt worden war, sprach von einem "wunderbaren Tag". Roth sagte, jeder in Europa habe die Verantwortung, gleiche Rechte für alle einzufordern. "Dies ist ein Tag der Menschenrechte, und wir sind stolz, hier zu sein!", rief sie. Die polnische Polizei, die mit einem massiven Aufgebot zur Stelle war, sprach von etwa 3000 Beteiligten. Als Erfolg wertete der Vorsitzende der Kampagne gegen Homophobie, Robert Biedron, dass die Demonstration erstmals legal stattfinden konnte.

Die Demonstration wurde zu einem fröhlichen Zug unter der Regenbogenflagge, dem sich nicht nur Schwule und Lesben anschlossen, sondern auch junge Familien und Umweltschützer. Am Straßenrand und von den Fenstern ihrer Wohnungen winkten zahlreiche Warschauer den Demonstranten zu und schwenkten Blumen. Kleine Gruppen von Neonazis und Skinheads versuchten die Veranstaltung zu stören. Die Polizei verhinderte jedoch Konfrontationen mit Rechtsextremisten. (apa/red)

11.6.2006 11:56