Montag, 5. Juni 2006

"Ära der Kriegsherren vorbei": Islamische Miliz verkündet Einnahme von Mogadischu

  • Somalias Hauptstadt nicht mehr in Hand der Warlords
  • Übergangsregierung bietet Verhandlungen an

Nach dreimonatigen Kämpfen zwischen bewaffneten Milizen haben islamische Kämpfer eigenen Angaben zufolge die somalische Hauptstadt Mogadischu vollständig in ihre Hand gebracht. Sollte sich dies bestätigen, hätten die einflussreichen Kriegsherren Somalias, erstmals seit sie den ehemaligen Diktator Mohamed Siad Barre 1991 gestürzt haben, gänzlich die Kontrolle Mogadischus verloren.

"Die Ära der Kriegsherren in Somalia ist vorbei", sagte ein Bewohner der Stadt. Mogadischu sei seit Montag in der Früh fest in der Hand der Moslem-Kämpfer. Ein weiterer Bewohner bestätigte der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch, die Kämpfer hätten auf einem öffentlichen Treffen ihren Sieg verkündet und gesagt, sie wollten gemeinsam mit den Bewohnern der Stadt die Sicherheitslage verbessern. Dies halte er für eine gute Nachricht. "Wir freuen uns auf ein Leben ohne Kämpfe."

Die Islamische Miliz unterstützt Geistliche, die für eine strikte Umsetzung der Scharia, des islamischen Rechts, sind. Der rivalisierenden Miliz "Mogadischu Anti-Terrorismus-Koalition" (Allianz für die Wiederherstellung des Friedens und gegen den Terrorismus/ARPCT) wird dagegen nachgesagt, Unterstützung von den USA zu erhalten. Ein Mitglied der Koalition sagte, die meisten Anführer hätten sich in die Stadt Jowhar zurückgezogen. "Wir haben keine umgehenden Pläne", sagte er.

Am Samstag hatten die Moslem-Milizen die strategisch wichtige Stadt Balad eingenommen. Der 30 Kilometer außerhalb von Mogadischu gelegene Ort liegt auf der Versorgungsroute nach Jowhar, der Hochburg der Koalitions-Miliz. Bei den Gefechten wurden 18 Menschen getötet. Am Montag ging der letzte Bezirk der Hauptstadt Augenzeugen zufolge kampflos an die Islamische Miliz über.

Ein Sprecher der somalischen Übergangsregierung sagte, er hoffe auf baldige Gespräche mit der Moslem-Miliz. Er hoffe außerdem, die Kämpfer würden die wichtige Rolle der Regierung anerkennen. "Wir sind bereit, mit ihnen zu sprechen, damit ein weiteres Leiden der unschuldigen somalischen Bevölkerung verhindert wird." Die Übergangsregierung kehrte im vergangenen Jahr aus dem kenianischem Exil zurück, war aber nicht in der Lage, die Ordnung wiederherzustellen. Aus Sicherheitsgründen hat die Verwaltung ihren Sitz außerhalb der Hauptstadt.

Mogadischu erlebte in diesem Jahr die heftigsten Kämpfe seit Jahren, bei denen mehr als 350 Menschen getötet wurden. Das nordostafrikanische Land Somalia ist größtenteils von Moslems bewohnt.

(apa/red)

5.6.2006 18:11