Wegen der Liebe in die Falle? Tiertrainer will "JJ 1" mit brunftiger Bärin anlocken
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Der Tiertrainer Dieter Kraml (60) aus Hannover will nach einem Bericht der "Augsburger Allgemeinen" den Braunbären "JJ 1", auch Bruno genannt, mit Hilfe seiner brunftigen Bärin "Nora" zur Strecke bringen. Der Bärenexperte biete an, den Streuner mit seinem 13 Jahre alten Tier anzulocken.
"Es ist sehr wahrscheinlich, dass der Bär Witterung aufnimmt, wenn Nora in der Nähe ist", sagte Kraml dem Blatt (Mittwoch). Er wolle mit Nora im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol umherstreifen und warten, was passiert.
Für einen Abschuss von Braunbär "JJ1" hat sich Tirols Landeshauptmann Herwig van Staa am Dienstag ausgesprochen. "Ich war immer der Meinung, dass das Tier gefährlich ist." Der Bär zeige "nicht normale" Reaktionen eines Raubtieres, weil er sich zu nahe an Siedlungen heranwage, meinte Van Staa vor Journalisten.
JJ1" reiße Tiere nicht zu Nahrungszwecken, sondern aus einem Tötungsinstinkt heraus. Ihn einzufangen und dann im Trentino, wo er herstammt, wieder auszusetzen, nutze bei einem gefährlichen Bären nichts, war der Landeshauptmann überzeugt.
Er gab zu verstehen, dass er von vorneherein keine Einfanggenehmigung erteilt hätte. "Aber man sollte nicht jeden Bären abschießen", betonte Van Staa.
Bär foppt Jäger
Die Jagd nach "JJ1" ist zuvor wieder für den Meister Petz ausgegangen. Nach einer Sichtung hatten die Bärenhundeführer gehofft, das Tier einkreisen und betäuben zu können. Anschließend wurde die Suche allerdings vorübergehend eingestellt, berichtete der Bärenbeauftragte des Freistaates, Manfred Wölfl.
Ein Jäger hatte das Tiernordöstlich des Achenpasses in Bayern gesehen. Im Umweltministerium in München gab es unterdessen auch eine Diskussion darüber, ob auf "JJ1" nicht doch scharf geschossen werden soll. Wie Wölfl laut WWF meinte, werde "die Geschichte keinen schönen Ausgang haben". Sollten weitere Narkoseversuche scheitern, bleibe nichts anderes übrig, als den Braunbären zu erlegen.
Im Ministerium hieß es, in den nächsten Tagen solle eine "Risikoanalyse" angestellt werden. Man sehe auf Grund der jüngsten Ereignisse eine "Eskalation". Bis zum Wochenende gebe es noch eine Fangerlaubnis. Dann könnte aber auch der Abschussbescheid wieder in Kraft gesetzt werden. "JJ1" müsse "so schnell wie möglich aus der Natur herausgezogen werden", bevor die Situation eskaliere und Menschen zu Schaden kämen, erklärte ein Sprecher.
Laut Wölfl hatte der Bär in Kreuth Spuren hinterlassen. Dort gebe es zwei gerissene Schafe, zwei ausgeräumte Bienenstöcke und zerstörte Heuballen, die "JJ1" zugerechnet würden.
WWF-Sprecherin Susanne Grof sprach von "höchster Gefährdung für die Bevölkerung". Nach Ansicht von Experten sei es nur eine Frage der Zeit, bis der Bär auch einen Menschen angreife. Das Tier mache nichts Vergleichbares, was etwa in Österreich lebende Bären täten. "JJ1" suche aktiv die Nähe der Menschen. "Jeder andere Bär würde vor Schreck das Weite suchen, 'JJ1' geht bei der Nahrungssuche aktiv in Menschennähe", sagte Grof. Der WWF hoffe, dass durch die aktuelle Entwicklung rund um den "Problembären" nicht das Image für Wiederansiedlungsprojekte leide.
Seit Montag vergangener Woche versuchen die aus Finnland angeheuerten Bärenjäger den Braunbären zu stellen. Dann soll das Tier narkotisiert werden. Mittlerweile hatte "JJ1" unter anderem einen Autounfall und wurde im bayerischen Kurort Kochel beobachtet. Zuletzt hatte er am Wochenende auf Tiroler Seite des Achenpasses für Sachschaden auf einer Alm gesorgt.
(apa/red)
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