Donnerstag, 22. Juni 2006

Baby zu Tode misshandelt: Tiroler Paar wegen schwerer Körperverletzung verurteilt

  • Acht Jahre Haft für 19-jährigen Täter: Kind nervte
  • Gleichaltrige Mutter wird in Anstalt eingewiesen

Nach mehrstündiger Beratung und Befragung zahlreicher Zeugen ist an einem Innsbrucker Geschworenengericht ein Aufsehen erregenden Prozess um den Tod eines Babys das Urteil gefallen. Das angeklagte Teenie-Pärchen wurde wegen des Verbrechens der absichtlichen schweren Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt.

Das Urteil lautete auf acht Jahre Haft für einen 19-Jährigen, sieben Jahre für seine gleichaltrige Freundin. Die Mordabsicht verneinten die Geschworenen einstimmig. Das dunkelhaarige Mädchen soll zudem in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden. Das Urteil war vorerst nicht rechtskräftig.

Florian hatte nur ein paar Wochen gelebt. Welche Brutalität er in seinem kurzen Leben erfahren musste, "kann man sich nicht vorstellen", führte Staatsanwältin Erika Wander eingangs aus. Während dem Plädoyer schluchzte die Mutter, in Trainingsjacke und Jeans gekleidet, unablässig.

"Wenn ich in derartiger Massivität auf das Köpfchen mit einem Umfang von 38 Zentimeter einschlage, dann rechne ich mit dem Tod", stellte Wander in ihrem Schlussplädoyer klar: "Das Gehirn war stark geschwollen." Mildernd wertete die Staatsanwältin die bisherige Unbescholtenheit der Teenager sowie die teilweisen Geständnisse.

Laut Anklage soll das junge Paar das Baby mit der Faust gegen den Kopf geschlagen haben, um es "zu beruhigen". Ihr Lebensgefährte habe das Schreien des Neugeborenen nicht ausgehalten, wollte die Angeklagte selbst nichts getan haben. "Er hat gemeint: Mei, der Krüppel schreit schon wieder" und er werde "dem 'Letzen' das Maul stopfen". "Sie hat zugegeben, nicht auf den damals 18-Jährigen eingewirkt zu haben," sagte der Verteidiger der 19-Jährigen: "Sie hat Angst gehabt, ihn zu verlieren."

Der Angeklagte hatte bei Polizei und Untersuchungsrichter die Misshandlungen bereits gestanden. Vor Gericht zog er diese Aussage zurück: "Das waren alles Erfindungen von mir. Ich habe versucht, meine Freundin zu schützen", sagte der 19-jährige Mann. Er habe gesehen, dass die 19-jährige Mutter dem kleinen Florian "leichte Ohrfeigen mit der flachen Hand" versetzt habe, die "nicht sonderlich fest" gewesen sein sollen.

In der Anklageschrift wurde beiden Teenagern eine "seelische Abartigkeit höheren Grades" attestiert: Es sei davon auszugehen, dass die Angeklagte durch "Konfrontation mit dem schreienden Kind nicht in der Lage gewesen sein könne, entsprechende Bewältigungsstrategien einzusetzen". Auch der Zweitbeschuldigte sei "nicht in der Lage gewesen, mit dieser Konfliktsituation adäquat umzugehen."

(APA/red)

22.6.2006 07:55