Abschlussbericht Elite-Uni: Weisen-Rat fordert Unabhängigkeit in jeder Hinsicht
- Abschlussbericht zum umstittenen Universitätsprojekt
- Standortentscheidung ausdrücklich nicht behandelt
Unabhängigkeit in jeder Hinsicht ist eine der Hauptforderungen des so genannten Weisen-Rates für die geplante österreichische Elite-Universität. Das Gremium wurde im Auftrag der Industriellenvereinigung (IV) bestellt und präsentierte in Wien seinen Abschlussbericht.
Der dreiköpfige Rat setzt sich aus ehemaligen Präsidenten von international höchst renommierten Forschungseinrichtungen zusammen, deren Aufgaben und Strukturen am ehesten als Vorbild für das "Institute of Science and Technology - Austria" (ISTA) dienen können. Haim Harari leitete das Weizmann Institute (Israel), Olaf Kübler die Eidgenössische Technische Hochschule (ETH) Zürich und Hubert Markl die deutsche Max Planck-Gesellschaft.
Ausdrücklich nicht behandelt wurde vom Rat die in den vergangenen Wochen und Monaten kontroversiell diskutierte Standortentscheidung für Maria Gugging (Niederösterreich). Dies sei eine rein nationale Entscheidung, Zurufe von Außen nicht zulässig, betonte Harari.
Auch wenn die Industrie neben der öffentlichen Hand ein Hauptfinanzier des ISTA sein wird, dürfe die Forschungseinrichtung nicht zum Service-Betrieb werden, in dem Forschungs-Wunschlisten abgearbeitet werden. Einziger Antrieb für wirkliche Highlights in der Wissenschaft sei stets die Neugier des Einzelnen. Ganz oben auf der Empfehlungsliste der drei Experten steht daher die Unabhängigkeit des ISTA. Es soll von einem Kuratorium geleitet werden, das sich zur Hälfte aus Wissenschaftern und zu Hälfte aus Experten etwa aus Wirtschaft, Industrie oder Medien zusammensetzt. Keinesfalls sollten "aktive Politiker" oder Staatsbedienstete in das Kuratorium berufen werden.
Welche wissenschaftlichen Disziplinen das ISTA im Detail abdecken wird, wollen Harari, Kübler und Markl davon abhängig machen, welche Forscher rekrutiert werden. Gleichsam die erste Generation an Wissenschaftern soll auch darüber entscheiden, welche Struktur der Campus bekommt. Gebäude in die Landschaft zu stellen, ohne zu wissen, ob es beispielsweise biologische oder physikalische Labors werden, hält Harari für sinnlos.
Auch bei der Auswahl der Wissenschafter raten die Experten nichts zu überstürzen. Die besten Köpfe seien nicht von heute auf morgen zu finden. Abgesehen von Campus und Wissenschaftergruppen mahnen Harari, Kübler und Markl aber zur Eile. Die leitenden Gremien sollten so rasch wie möglich bestellt und auch eine Art vorläufiger Betrieb aufgenommen werden. So könnten etwa Vorträge und Seminare abgehalten werden, um das Institute in der wissenschaftlichen Gemeinschaft wie in der Öffentlichkeit zu etablieren.
Wenig Sympathien hegt Harari für den derzeitigen Namen ISTA. Dieser sei "wenig attraktiv", eine endgültige Bezeichnung sollte von den einzurichtenden Gremien gefunden werden.
Die Experten geben sich überzeugt, dass das Projekt gute Chancen hat, erfolgreich zu sein. Eine Voraussetzung sei aber, dass es mit frischem Geld finanziert werde, es dürfe den bestehenden Unis nichts verloren gehen. Kooperationen mit den bestehenden Hohen Schulen seien eine weitere wichtige Voraussetzung für das ISTA. Harari warnte davor, bereits "in fünf Jahren" nach den ersten Nobelpreisen oder auch High-tech-Jobs zu fragen, die durch das ISTA entstanden sind. Es brauche jedenfalls Geduld über Legislaturperioden hinaus. Letztendlich werde sich der Erfolg aber einstellen, so der Experte.
Gehrer: ISTA zügig umsetzten
"Zügig umsetzen" will jetzt Bildungsministerin Elisabeth Gehrer das "Institute of Science and Technology - Austria" (ISTA). Der Bericht des Internationalen Komitees streiche einmal mehr hervor, dass es derzeit eine "goldene Chance" für die Errichtung eines Spitzenforschungsinstitutes in Österreich gebe, betonte Gehrer in einer Aussendung. Als nächsten Schritt kündigte die Ressortchefin die Bestellung des ISTA-Kuratoriums an. Dieses werde dann den Präsidenten des Instituts ernennen.
Ablehnung des ISTA signalisierte die Österreichische Hochschülerschaft. Es handle sich um eine "Uni der Konzerne und der Männer, aber sicher keine Uni der Wissenschaft und der Studierenden", heißt es in einer Aussendung. (apa/red)
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