Dienstag, 30. Mai 2006

Quallenplage droht an Mittelmeerküste:
Mallorca und spanische Küste sind betroffen

  • Die Leuchtquallen vermehren sich explosionsartig.
  • Berührungen führen zu Hautirritationen und Übelkeit

Für einen Durstigen gibt es kaum eine härtere Prüfung, als ein Wasserglas vor sich zu haben und nicht davon trinken zu dürfen. So ähnlich könnte es in diesem Sommer zahllosen Urlaubern auf Mallorca und an der spanischen Mittelmeerküste ergehen: Tausende von ihnen werden möglicherweise in der Hitze vor dem blauen Meer stehen, aber sie können kein erfrischendes Bad in den Fluten nehmen, weil das Wasser voller Quallen ist.

Die Experten erwarten für den Anfang des Sommers eine größere Quallenplage vor den Balearen und an der Mittelmeerküste des spanischen Festlands. "Es sieht nicht gut aus", sagte der Biologe Damia Jaume vom Institut für Mittelmeerstudien der Zeitung "Diario de Mallorca". Der Wissenschafter hatte bei den - Mallorca vorgelagerten - Inseln Cabrera und Dragonera sowie vor Süditalien "riesige Bänke von Quallen" gesichtet.

Hautirritationen, Schwindel und Übelkeit
"Die Quallen vermehren sich anscheinend explosionsartig im gesamten westlichen Mittelmeer", warnte er. Die Leuchtquallen (Pelagia noctiluca) sind zwar nur zehn Zentimeter groß, aber ihre meterlangen Tentakel haben es in sich. Die Berührung mit den Quallen kann für den Badenden nicht nur schmerzhaft sein, sondern auch zu Hautirritationen, Schwindel und Übelkeit führen. Schon im vorigen Sommer hatte eine größere Plage spanische Strände heimgesucht. Auf Mallorca und an der Festlandküste wurde vereinzelt sogar die Rote Flagge gehisst und Badeverbot erteilt, weil es im Meer von Quallen nur so wimmelte. Allein an der Costa Brava und an den Stränden von Barcelona mussten damals über 11.000 Badegäste behandelt werden, weil sie sich an den Nesselfäden der Tiere "verbrannt" hatten.

Der Grund des Übels
Ein wichtiger Faktor bei der Quallenplage ist nach Ansicht der Experten die Erwärmung des Wassers. Das westliche Mittelmeer ist derzeit ein Grad wärmer als normal. Ein weitere Ursache sei die Überfischung, betont der Meeresbiologe Francesc Pages aus Barcelona. "Dadurch wurden die natürliche Feinde der Quallen wie die Tunfische oder Meeresschildkröten stark reduziert." Der Biologe Josep Maria Gili hat eine weitere Erklärung: "Die Plagen fallen mit Dürren und Trockenzeiten zusammen. Wenn viel Süßwasser ins Meer fließt, bildet dies eine Art von Schutzfilm, der die Quallen von den Küsten fern hält. Da die Regenfälle abgenommen haben, treten die Plagen immer häufiger auf."(red)

30.5.2006 10:54