Aids vor 25 Jahren in den USA entdeckt: Artikel über 'mysteriöse Lungenentzündung'
- HIV-Virus forderte bereits 25 Mio. Menschenleben
- Fast 40 Millionen sind zurzeit mit 'Killervirus' infiziert

·Facts rund um's Thema HIV und Aids
Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen
·39,4 Mio. Menschen leben weltweit mit HIV
Besonders Kinder sind vom Virus betroffen
·Österreicher Europa- meister bei HIV-Test
Ansteckung meist durch heterosexuelle Kontakte
·Erste Aids-Fälle schon in 20er-Jahren?
Geschichte der Immun- schwäche-Erkrankung
·Studie belegt: Aids von Affen in Kamerun
Virus von Schimpansen auf Menschen übertragen
Der Fachartikel vom 5. Juni 1981 ist zwei Seiten lang. Michael Gottlieb von der Universität von Kalifornien in Los Angeles und seine Kollegen beschreiben im wöchentlichen Bulletin der US-Gesundheitsbehörde CDC die Fälle fünf junger homosexueller Männer, die an einer extrem seltenen Lungenentzündung litten. Zwei der Patienten sind beim Erscheinen des Reports bereits tot. Noch weiß niemand, dass ein lebensgefährliches Virus die Ursache ist. Dennoch gilt der vor 25 Jahren erschienene Bericht im "Morbidity and Mortality Report" in der Wissenschaft als erster über die bis heute unheilbare Immunschwäche.
Der Aidserreger HIV hat bis heute rund 25 Millionen Menschen getötet, weitere rund 40 Millionen sind zurzeit infiziert. Und das Virus wird auf Jahrzehnte hinaus eine der größten Bedrohungen bleiben.
Erste Vermutung: Nur bei Homosexuellen
Die fünf jungen Männer, alles aktive Homosexuelle, seien wegen einer Lungenentzündung behandelt worden, berichten die Mediziner. Gottlieb und seine Gruppe betonen, dass sich die betroffenen Männer nicht kannten und auch keinen gemeinsamen Kontakt zu anderen Männern hatten - schon dies lasse darauf schließen, dass bereits mehr Menschen betroffen seien. Gleichzeitig mehren sich bei Homosexuellen in den Staaten New York und Kalifornien Kaposi-Sarkome - eine bis dato rare Krebsart. Auch ein bösartiger Krebs des Lymphgewebes nimmt zu. Damit kommt der Ball ins Rollen - Sorge verbreitet sich bei Medizinern wie bei Schwulen.
Experten prägen den Namen "Aids"
Binnen 18 Monaten beschreiben die Mediziner alle wichtigen Risikofaktoren von Aids und prägen zugleich dessen Namen - wörtlich übersetzt das erworbene Immunschwächesyndrom (Acquired Immune Deficiency Syndrome). Bis zum 15. Dezember 1982 liegen dem CDC schon 593 Fälle vor - 243 Patienten (41 Prozent) sind gestorben. 41 weitere Berichte stammen aus zehn weiteren Ländern. 75 Prozent der Fälle treffen homo- oder bisexuelle Männer.
Aids auch durch Blutprodukte und Injektionsnadeln
1982 kommt auch der erste wesentliche Hinweis darauf, dass andere Übertragungswege möglich sind: Aids tritt erstmals bei Blutern auf, die Blutprodukte erhalten haben und keine anderen zu jener Zeit vermuteten Risikofaktoren aufweisen. Wenig später zeigt sich Aids auch bei Empfängern von Bluttransfusionen sowie bei Drogenabhängigen, die ihre Injektionsnadeln gemeinsam benutzen.
Ende '82 wird HIV-Erreger entdeckt
Im Dezember 1982 beschreiben die Experten vier Aidsfälle, bei denen im Labor Probleme mit den T-Lymphozyten (weiße Blutzellen) nachgewiesen wurden. Heute ist bekannt, dass das Aidsvirus die CD4+- Zellen angreift - jene Abteilung des Immunsystems, die die Antwort des Körpers auf eingedrungene Krankheitserreger koordiniert. Damals wie heute sterben die Menschen an den so genannten opportunistischen Infektionen, die sich daraufhin im ungeschützten Körper verbreiten. Die Arbeitsgruppen der Virologen Luc Montagnier (Frankreich) und Robert Gallo (USA) finden schließlich gemeinsam den Erreger HIV (Human Immunodeficiency Virus, humanes Immunschwächevirus). Am 20. März 1983 erschienen die Studien der beiden Gruppen gleichzeitig im US-Fachjournal "Science". (APA/red)
