Dienstag, 6. Juni 2006

Massage und Kerzenschein beim Bohren: Zahnarztwellness soll Angstpatienten helfen

  • Dental Spas liegen derzeit in den USA voll im Trend
  • Praxen mit Beautysalon-Flair bieten Akupunktur & Co

Tom Arnold (48) ist ein echtes Mannsbild, 1,90 Meter groß, mit Händen wie ein Schaufelbagger. Dem Bauunternehmer machte so schnell keiner etwas vor. Nur im Zahnarztstuhl schrumpfte er immer zu einem Häufchen Elend zusammen. Das hat sich geändert, seit er das schicke Dental Spa in Bethesda bei Washington entdeckte.

Seitdem lässt Arnold sich alle drei Monate verwöhnen. Denn das wird hier groß geschrieben: Neben Wurzel- Behandlung, Kariesfüllung und Kronen sind bei Kerzenlicht und sanften Düften warme Halskissen, Massagen, Paraffin-Behandlung für die Hände und Akupunktur im Angebot. Zahnarztpraxen mit dem Flair von Schönheitssalons sind in den USA groß im Kommen.

Massagen gegen den Stress
"Die Patienten sind nach einer kurzen Kopfmassage sehr viel entspannter, ihr Stress-Empfinden sinkt nachweislich", sagt Zahnärztin Lynn Watanabe, die mit ihrem Mann John Chien in Palisades (Kalifornien) praktiziert und ihre Praxis 2002 als eine der ersten in einen Dentalsalon umwandelte. Die beiden gründeten gleich den internationalen Dentalsalon-Verband, nach dessen Angaben es in den USA inzwischen rund 200 solcher Salons gibt.

Kleine Extras nehmen die Angst
Kimberly Baer betreibt einen Dentalsalon in der Nähe von Washington. Als sie vor drei Jahren ihre eigene Praxis eröffnete, wollte sie den Patienten das gewisse Extra bieten. "Warme Nackenrollen, Duft, um den Zahnarztpraxengeruch loszuwerden - das kostet nicht die Welt, macht es für die Patienten aber sehr viel angenehmer", sagt sie.

Nach dem Bohren gibt's Peeling, Massage & Co
Die kleinen Aufmerksamkeiten gibt es gratis, die Schönheitspflege kostet extra und wird vor oder nach der Zahnbehandlung angeboten. Baer beschäftigt eine Masseurin, eine Kosmetikerin und eine Akupunkteurin, die in separaten Räumen unter anderem Hautpeeling, schwedische Massage, Laser-Haarentfernung und Permanent-Make-up anbieten. Watanabe und Chien haben in ihrem Salon mit inzwischen neun Angestellten sogar eine eigene Produktlinie für Kosmetika entwickelt.

Kritik vom Top-Dentisten
Steven Schlafstein, der regelmäßig in der Rangliste einer Washingtoner Zeitschrift der 100 besten Zahnärzte steht, ist skeptisch. "Nicht mein Ding", sagt er. "Ich fühle mich nicht wohl, in die Nähe von Schönheitssalons gerückt zu werden." Zahnarzt Chien weist das zurück. "Dieser Trend ist ja nicht auf Zahnärzte beschränkt, auch Universitätskliniken experimentieren damit, Komplementär-Therapien in ihren Behandlungsplan zu integrieren." (APA/red)

6.6.2006 10:56