Dienstag, 30. Mai 2006

Passivrauchen fordert EU-weit jährlich rund
80000 Todesopfer: 1035 davon in Österreich

  • Österreichs Jugendliche bei Tabakkonsum ganz vorne
  • Experten fordern Rauchverbot in öffentlichen Räumen

"Auch Passivrauchen tötet und macht krank. Es tötet in der EU pro Jahr 80.000 Menschen. (...) Nichtraucher als Majorität in diesem Land haben das Recht, geschützt zu werden." - Mit einem massiven Appell an die österreichische Gesundheitspolitik, per Gesetz das Rauchen zurück zu drängen und den Schutz der Nichtraucher zu stärken, wandte sich der Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖPG), Univ.-Prof. Dr. Otto Burghuber, bei einer Pressekonferenz in Wien an die Öffentlichkeit. Österreich müsse hier noch enorm aufholen, hieß es.

Der Anlass für den vermehrten politischen Druck, ein mit scharfen Sanktionen abgesichertes Rauchverbot in allen öffentlichen Räumen - auch generell in der Gastronomie - zu verhängen, ist der bevorstehende Welt-Nichtrauchertag (31. Mai). Er steht in diesem Jahr unter dem Motto des Passivrauchens.

80.000 Todesopfer durch Passivrauchen
Wirklich neue Daten zu dem Thema gibt es nicht. Am meisten vom Tabakkonsum gefährdet sind immer noch die Zigaretten-Fans selbst. Doch auch die Zahl der Opfer des Passivrauchens ist enorm: In den EU-Mitgliedsstaaten sind es pro Jahr 80.000 Todesfälle, davon geschätzte 1.035 in Österreich. Etwa ein Viertel aller Todesfälle im Zusammenhang mit dem Rauchen entfällt auf die Nichtraucher, die unter dem Qualm der anderen leiden.

Herzinfarkt, Schlaganfall & Krebs drohen
Die Haupt-Todesursachen: Herzinfarkte, Schlaganfälle, Lungenkrebs und chronische Lungenerkrankungen. Burghuber: "Jeden Tag stirbt in der EU ein Mensch in der Gastronomie an den Folgen des Passivrauchens. Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, davor geschützt zu werden." Hauptkritikpunkt ist der laut den Experten lasche gesundheitspolitische Umgang in Österreich mit den Rauchverboten in öffentlichen Räumlichkeiten, zu denen natürlich auch die Gastronomie gehört.

Gastronomie-Mitarbeiter müssen geschützt werden
ÖGP-Generalsekretärin Dr. Sylvia Hartl: "Die Mitarbeiter aus der Gastronomie werden hier aus dem Arbeitnehmerschutzgesetz völlig ausgeklammert." Nichtraucherzonen bzw. bessere Belüftungssysteme helfen laut den Fachleuten in Innenräumen nicht. Laut gesicherten statistischen Daten schädigen Rauchverbote in Lokalen die Gastronomie nicht. In New York stieg der Umsatz der Bars nach dem Rauch-Bann sogar um 8,7 Prozent. Unverständlich sei das Zögern der österreichischen Politik in dieser Hinsicht. Der Lungenspezialist: "Die öffentliche Meinung unterstützt Gesetze zur Rauchfreiheit. 93 Prozent der Irländer befürworteten nach einem Jahr diese Regelungen, auch 80 Prozent der Raucher."

Rauchen erlebt in Österreich Aufschwung
Stattdessen nimmt Österreich in einer EU-Rangliste bei den Maßnahmen zur Kontrolle des Tabakkonsums den dritt- bzw. viertletzten Rang ein, so Univ.-Prof. Dr. Manfred Neuberger vom Institut für Umwelthygiene in Wien. "13 Prozent der Buben und 14 Prozent der Mädchen unter 13 rauchen bereits täglich. Österreich liegt beim Rauchen unter den Jugendlichen mit Grönland an der Spitze." Der Experte: "Wir sind ein Entwicklungsland." Während in anderen Staaten das Rauchen erfolgreich zurück gedrängt worden sei, erlebe es in Österreich einen Aufschwung: 1972 rauchten 45,3 Prozent der Männer und 13,1 Prozent der Frauen. 2004 waren es 48,1 Prozent der Österreicher und 46,5 Prozent der Österreicherinnen. (APA/red)

30.5.2006 09:52