Dienstag, 30. Mai 2006

Nach Haider: Auch Hypo Alpe-Adria-Betriebsrat kritisiert Finanzmarktaufsicht

  • Offener Brief: FMA für Bilanzverluste verantwortlich
  • Aufsicht habe Bank in Medienberichten vorverurteilt

Nach dem Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider hat auch der Betriebsrat der Hypo Alpe-Adria-Bank (HAAB) scharfe Kritik an der Finanzmarktaufsicht (FMA) geübt. Deren "Sichtweise" sei letztendlich für die Bilanzverluste im Jahr 2004 verantwortlich, hieß es in einem Offenen Brief an zahlreiche Politiker vom Bundeskanzler abwärts.

Es habe sich nämlich mittlerweile herausgestellt, dass "bis zu sechs verschiedene Bilanzierungsvarianten im Zuge der Bilanzneuerstellungen vertretbar gewesen" seien, hieß es. Darunter sei auch eine Variante gewesen, mit der die Bankengruppe das Jahr 2004 mit einem Plus von 68 Millionen Euro abgeschlossen hätte. Doch auf Grund der "besonderen Rolle" der FMA habe man schließlich die "nachteiligste Bilanzierungsvariante de facto akzeptieren" müssen, "um einen noch größeren Schaden zu vermeiden". Man fordere "Gleichbehandlung" mit anderen Banken.

Betriebsrat gegen "Vorverurteilungen"
"Hinterfragenswert" findet der Hypo-Betriebsrat auch "das Selbstverständnis der Finanzmarktaufsicht". Diese habe die Hypo Alpe-Adria-Bank in Medienberichten "vorverurteilt": "Es stellt sich daher die Frage, welche Interessen sich hinter einer derartigen Vorgehensweise verbergen." Zum laufenden Verfahren der Staatsanwaltschaft Klagenfurt hielt der Betriebsrat fest, "dass aus unserer Sicht die 'Unschuldsvermutung' gegenüber dem Management gilt".

Die Justiz ermittelt gegen den Vorstand der HAAB auf Grund einer Anzeige der FMA wegen Verstoßes gegen das Aktiengesetz im Zusammenhang mit der Erstellung der Hypo-Bilanzen 2004 und 2005. Die Bilanz 2004 musste in den vergangenen Wochen neu erstellt werden, nachdem die Wirtschaftsprüfer das Testat nach Bekanntwerden der Spekulationsverluste von 280 Mio. Euro im Herbst 2004 zurückgezogen hatten.

(apa/red)

30.5.2006 09:50