Freitag, 2. Juni 2006

Große Träume und hochgesteckte Ziele:
Eric Akoto will mit Togo bis ins Viertelfinale

  • Südkorea-Partie ist für Verteidiger Schlüsselspiel
  • 25-Jähriger will auch nach WM in Österreich bleiben

Der einzige WM-Spieler mit aktuellem Bezug zur österreichischen Fußball-Bundesliga und einer seriösen Chance auf ein Stammleiberl steht im Kader eines großen Außenseiters der Endrunde. Eric Akoto, der im Winter aus seinem Vertrag mit der Admira ausgestiegen ist, tritt mit Togo in Gruppe G gegen Frankreich, die Schweiz und Südkorea an.

Trotz der schwierigen Gegner traut der Verteidiger seiner Auswahl rund um Stürmer-Star Emmanuel Adebayor (Arsenal) in Deutschland einiges zu. "Wenn alles passt, können wir auch das Viertelfinale erreichen", ist der 25-Jährige überzeugt. Richtungweisend werde die erste Partie am 13. Juni in Frankfurt am Main gegen die Südkoreaner sein. "Das ist eine gute Mannschaft, aber in diesem Spiel haben wir unsere Möglichkeiten."

Seinen Optimismus für die WM hat Akoto schnell erklärt. "Wir haben einen guten Tormann, eine gute Abwehr und einen guten Sturm." Kopfzerbrechen bereitet ihm nur das Mittelfeld. "Dort haben wir Probleme. Wir würden so einen Spieler wie Makelele brauchen."

Die dürftigen Leistungen im Februar beim Afrika-Cup (Out in der Gruppenphase) sind aber laut Akoto nicht nur auf Personalprobleme im Mittelfeld zurückzuführen. "Wir hatten vorher nur fünf bis sieben Tage Vorbereitung. Das war viel zu wenig. Die Vorbereitung ist das Wichtigste, das haben wir auch in der WM-Qualifikation gesehen", betonte der Verteidiger, dessen Team auf dem Weg nach Deutschland unter anderem den Senegal - die WM-Sensation von 2002 - hinter sich ließ.

Nach dem gelösten Endrunden-Ticket war der damalige Teamchef Stephen Keshi noch wie ein Nationalheld gefeiert und von Togos Staatschef so wie auch Akoto mit einem hohen Orden bedacht worden - nach dem Afrika-Cup-Desaster aber wurde er durch den Deutschen Otto Pfister ersetzt. Akoto kann der von vielen seiner Spieler-Kollegen kritisierten Trainerrochade auch Positives abgewinnen. "Bei einem europäischen Trainer sind alle Spieler voll konzentriert, vor einem afrikanischen Trainer haben sie vielleicht zu wenig Respekt."

Mit Coaches in Österreich hat Akoto ("Walter Schachner ist der beste österreichische Trainer") zumeist gute Erfahrungen gemacht, nur auf den mittlerweile gefeuerten Ex-Admira-Betreuer Robert Pflug ist er nicht gut zu sprechen. "Er war schuld, dass es im Herbst bei der Admira so schlecht gelaufen ist."

Nach seinem Vertragsaustritt bei den Südstädtern, die ihn nach eigenen Angaben mehrere Gehälter schuldig geblieben waren, hielt sich Akoto beim Ostligisten SV Schwechat fit. Um einen neuen Verein zu finden, scheute er sogar ein Probetraining in China nicht - dennoch verbrachte er dieses Jahr mit Ausnahme des Afrika-Cups und den WM-Trainingslagern bei seiner ghanesischen Frau und seinen drei Töchtern in Perchtoldsdorf.

Seine WM-Teilnahme hat Akoto zu einem gewissen Teil auch dem Zufall zu verdanken. Den gebürtigen Ghanesen, dessen Verwandte nach wie vor in seiner Heimatstadt Accra leben, verschlug es mit 16 Jahren nach Togo zum dortigen Erstligisten Filant de Lome. Das Gastspiel war zwar nach einer Saison wieder beendet, doch der Abwehrspieler dürfte in dem knapp 5 Millionen Einwohner zählenden Land einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. 1998 bot der togolesische Verband dem damals gerade vom GAK verpflichteten Verteidiger einen Nationenwechsel an, Akoto überlegte nicht lange, nahm 2000 die togolesische Staatsbürgerschaft an und brachte es seither auf knapp 40 Länderspiele (1 Tor).

Davor hatte der derzeitige ghanesisch-togolesische Doppelstaatsbürger einige U21-Spiele für Ghana absolviert. "Aber das waren nur Freundschaftspartien, keine Bewerbsspiele", erklärte Akoto, dem damit ein ähnliches Schicksal wie Steffen Hofmann erspart blieb.

Das letzte Gruppenmatch am 23. Juni in Köln - das mit Spannung erwarteten Duell mit der Ex-Kolonialmacht Frankreich - könnte bereits wieder den Abschluss von Akotos Teamkarriere bedeuten. "Nach der WM ist es ein Problem, da wird es mit dem Nationalteam vorbei sein", erklärte der Abwehrspieler.

Dann möchte sich der ablösefreie 25-Jährige, der mit dem GAK zweimal (2000, 2002) Cupsieger wurde und mit der Wiener Austria 2003 das Double holte, wieder voll auf den Klub-Fußball konzentrieren. "Ich will in Österreich bleiben und die österreichische Staatsbürgerschaft annehmen", erklärte er. Vor der Endrunde hatte er auf einen österreichischen Pass verzichtet, "sonst hätte es vielleicht bei der WM Probleme gegeben".

(apa)

2.6.2006 10:24

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