Samstag, 3. Juni 2006

Interview mit Jürgen Klinsmann: Für DFB- Teamchef "noch viel Arbeit" zu erledigen

  • "Costa Rica wird eine ganz andere Geschichte"
  • Klinsmann lobt Unterstützung durch Publikum

Nach dem letzten Vorbereitungsspiel (3:0-Sieg gegen Kolumbien) stand der deutsche Teamchef Jürgen Klinsmann in einem Interview Rede und Antwort. Wenige Tage vor dem Eröffnungsspiel sieht Klinsmann "noch viel Arbeit" vor sich.

Kolumbien war der Schlusspunkt nach zwei Jahren WM-Vorbereitung. Wie ist Ihr Fazit kurz vor dem Eröffnungsspiel?
Klinsmann: "Wir haben versucht, in den zwei Jahren der Mannschaft ein neues Gesicht zu geben, einen Generationswechsel zu vollziehen, eine schnelle, nach vorne gerichtete Spielphilosophie zu entwickeln. Heute wollten wir die zweieinhalb intensiven Vorbereitungswochen positiv ausklingen lassen und das Vertrauen innerhalb der Mannschaft aufbauen, dass wir uns etwas zutrauen, wenn es in einer Woche losgeht. Das ist der Mannschaft gelungen. Aber machen wir uns nichts vor: Wir haben noch viel Arbeit vor uns."

Hat Sie die zum Teil harte Kritik in den vergangenen zwei Jahren überrascht?
Klinsmann: "Wir haben hart gearbeitet, hatten Aufs und Abs. Aber wir wussten immer genau, wo wir ankommen müssen: Am 9. Juni in München. Wir glauben an das Team und unsere Stärken. Ich kann es nicht allen Recht machen und das ist auch nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe ist es, eine gute Mannschaft aufzubauen. Da sind wir auf einem guten Weg."

Sie sagen, es gibt noch viel Arbeit. Was kann in den letzten Tagen bis zum WM-Start noch getan werden?
Klinsmann: "Wir müssen ständig am Feinschliff arbeiten, im taktischen und spielerischen Bereich. Wir werden jetzt intensiver Standardsituationen trainieren. Wir werden versuchen, während des Turniers eine hohe Intensität beizubehalten und hoffen, dass sich das zum Schluss hin immer mehr auszahlen wird."

Wie wichtig war dieser Sieg ohne Gegentor für das Selbstvertrauen und die Stimmung im Umfeld?
Klinsmann: "Die Mannschaft kann mit breiter Brust in das Eröffnungsspiel gehen, wohlwissend, dass das eine ganz andere Geschichte wird nächsten Freitag. Wir sind hungrig auf das Turnier und werden hungrig bleiben, egal, welche Ergebnisse rauskommen und wie die Spiele laufen."

Haben Sie das Gefühl, dass das deutsche Publikum schon so hinter der Mannschaft steht, wie Sie sich das wünschen?
Klinsmann: "Das Publikum hat ein gutes Gespür, dass diese Mannschaft wächst, dass die jungen Spieler das Publikum im Rücken brauchen. Das Publikum unterstützt auf wundervolle Art und Weise, ob beim öffentlichen Training vor 40.000 oder in den drei Testspielen. Das gibt der Mannschaft Rückendeckung und das ist es, was wir brauchen. Daraus erhoffen wir uns Energie und einen Vorteil."

(apa/red)

3.6.2006 13:22